UN-Kommissar protestiert gegen Abschiebung afghanischer Flüchtlinge

Abgeschobenen Flüchtlingen droht in ihrem Heimatland Afghanistan großes Unheil. Die herrschenden Taliban unterdrücken vor allem Mädchen und Frauen.

Genf (epd). Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat gegen die zwangsweise Rückführung afghanischer Flüchtlinge in ihr Heimatland protestiert. Die Abschiebung von Kindern, Frauen und Männern, denen ernsthafte Menschenrechtsverletzungen drohten, verstoße gegen den völkerrechtlichen Grundsatz der Nichtzurückweisung, erklärte Türk am Freitag in Genf.

Der Hochkommissar forderte die Aufnahme-Staaten nachdrücklich auf, ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen und Afghaninnen und Afghanen zu schützen. Abgeschobene Flüchtlinge seien in Afghanistan großen Risiken ausgesetzt.

Laut Türk gehören auch Mitarbeiter der früheren Regierung, Journalisten, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie Mitglieder sexueller Minderheiten zu denjenigen, die mit Repressalien und Misshandlungen rechnen müssten.

In dem Land am Hindukusch herrschen die fundamental-islamistischen Taliban, die vor allem die weibliche Bevölkerung brutal unterdrücken. Die EU-Kommission hatte Kontakte mit den Taliban aufgenommen, um über Abschiebungen zu beraten. Nach Medienberichten verlangen Deutschland und andere EU-Staaten von der Kommission mehr Freiraum, um Afghaninnen und Afghanen abschieben zu können.

Schlimme humanitäre Lage

Seit Jahresbeginn wurden laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR fast 270.000 Afghaninnen und Afghanen in ihr Heimatland abgeschoben, hauptsächlich aus dem Iran und Pakistan. Im vergangenen Jahr seien 1,2 Millionen Afghanen aus dem Iran und 150.000 aus Pakistan abgeschoben worden, hieß es. Aus Deutschland wurden zuletzt Ende April 25 Straftäter nach Kabul ausgeflogen.

In Afghanistan herrschen den Vereinten Nationen zufolge eine schlimme humanitäre Lage und Gewalt. Im letzten Quartal 2025 wurden laut Türk infolge des Konflikts zwischen Pakistan und Afghanistan die höchsten Zahlen an zivilen Opfern seit der Machtübernahme durch die Taliban 2021 verzeichnet.

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