Nairobi - Hans Senfuma ist schwul und lebt in Kampala. Er ist einer von wenigen, die so offen mit ihrer Sexualität umgehen. Für ihn kam sein eigenes Coming-Out zeitgleich mit dem massiv verschärften Anti-LGBTQ-Gesetz in seinem Heimatland Uganda Ende Mai 2023. Es war kurz vor Senfumas 20. Geburtstag. Sein ganzes Erwachsenenleben navigiert er rund um die Einschränkungen, die das Gesetz der Community auferlegt.
Es sieht teils lange Haftstrafen und bei „schweren Fällen von Homosexualität“ sogar die Todesstrafe vor. Auch Menschen, die queere Personen unterstützen, können juristisch belangt werden. Viele seiner Freunde hätten in den vergangenen Jahren das Land verlassen, sagt Senfuma. Ein Kollege sei Anfang 2024 mit einem Messer angegriffen worden.
Gewalt und Diskriminierung
„Wir wollen einfach nur wir selbst sein dürfen”, sagt Hans Senfuma. Freiheit, Rechte und Anerkennung seiner Würde wünscht er sich. “Ich habe mir den Aktivismus nicht ausgesucht, der Aktivismus hat mich ausgesucht." Für ihn sind soziale Netzwerke die Orte, an denen er gehört werden kann, wenn er die Lage der queeren Community in Uganda dokumentiert.
Die Menschenrechtsorganisation HRAPF hat seit Inkrafttreten des Gesetzes 2.291 Fälle von Gewalt und Diskriminierung betreut. 998 Fälle hatten ihren Angaben zufolge direkten Bezug zum Anti-Homosexualitäts-Gesetz, darunter auch Verhaftungen.
In einer aktuellen Analyse legt die Organisation außerdem dar, wie stark das Gesetz queeren Menschen den Zugang zum Rechtssystem erschwert. „Das Gesetz hat ein Klima der Angst, institutionalisierte Diskriminierung und weitgehende Straffreiheit für Gewalttäter und andere Menschenrechtsverletzer geschaffen“, erklärt die HRAPF. Infolgedessen erduldeten viele LGBTQ-Personen Rechtsverletzungen schweigend, mieden staatliche Instanzen und seien in hohem Maße Ausbeutung und Gewalt schutzlos ausgeliefert.
Nachbarschaftswachen melden queere Personen
Zuletzt ging der Fall von zwei Frauen durch die Medien, die verhaftet wurden, weil sie sich geküsst haben sollen. Eine Nachbarschaftswache hatte die Frauen bei der Polizei gemeldet. Manche Leute gäben vor, schwul zu sein, um dann Menschen aus der queeren Community zu erpressen oder sie der Polizei zu melden, berichtet Senfuma. Auch gebe es seit dem Gesetz mehr Fälle von Vermietern, die queeren Personen die Wohnung gekündigt hätten.
Der Ton ist rau. Parlamentsabgeordnete wünschen sich öffentlich die Kastration schwuler Männer, sagt Senfuma. Politiker können sich über das Thema vereinen: „Sie machen uns zum Sündenbock.“
Angriff auf Unterstützungssystem
Schon vor dem Gesetz von 2023 war homosexueller Sex kriminalisiert, die Gesetze stammen aus der britischen Kolonialzeit. In mehreren anderen afrikanischen Ländern ist die Lage ebenfalls angespannt. In Senegal wurde kürzlich die Strafe für Homosexualität verdoppelt, in Ghana diskutiert das Parlament seit Jahren über eine Verschärfung der Gesetzeslage. Botswana hingegen hat in diesem Jahr die kolonialen Paragraphen zu gleichgeschlechtlichem Sex aufgehoben, auch wenn diese in der Praxis schon lange nicht mehr angewendet worden waren.
Das verschärfte Gesetz in Uganda greife das gesamte Unterstützungssystem für queere Menschen an, sagt Anwalt Frank Mugisha vom Netzwerk Smug, das Betroffenen Rechtsberatung bietet. Zum Beispiel im Gesundheitsbereich seien die Einschnitte groß, zeigt Mugisha auf Videos in sozialen Medien auf. So sei etwa der Zugang zu Aids-Medikamenten und HIV-Prävention schwieriger geworden. Smug ist in den USA registriert, weil die Organisation in Uganda keine offizielle Zulassung bekommt.
Hoffnung gegen Hetze
Doch der Zusammenhalt der queeren Gemeinschaft sei stark, betont Mugisha. Vor kurzem gab ein Gerichtsurteil der Community neue Hoffnung: Ein Mann, der kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes verhaftet und der „schweren Homosexualität“ angeklagt worden war, wurde freigesprochen. Ihm hätte die Todesstrafe gedroht.
„Am Ende werden wir gewinnen und diese Gesetze irgendwann wieder rückgängig machen“, sagt Mugisha. Aber erst müssten die aufgehetzten Herzen in der Gesellschaft geheilt werden. Senfuma stimmt zu: „Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist mein Antrieb, weiter für Gerechtigkeit und Anerkennung zu kämpfen.“