Frankfurt am Main/Johannesburg - Nach gewaltsamen Protesten gegen illegale Einwanderung in Südafrika holt Ghana Bürgerinnen und Bürger in die Heimat zurück. Am Mittwoch startete ein Flugzeug mit einer ersten Gruppe von 300 ghanaischen Staatsangehörigen von Johannesburg aus, wie die südafrikanische Nachrichtenseite IOL berichtete.
Rund 800 Ghanaerinnen und Ghanaer, die in Südafrika leben, haben sich bisher für das Rückführungsprogramm ihrer Regierung entschieden. Grund ist die Sorge um die Sicherheit angesichts anhaltender Proteste gegen illegale Einwanderung in Teilen von Südafrika. Seit April organisiert die Bürgerbewegung „March and March“ Demonstrationen gegen Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung in Großstädten wie Pretoria, Johannesburg und Durban, bei denen es immer wieder zu Gewalt gekommen ist, teilweise mit tödlichen Folgen. Auch in Nigeria wird über eine mögliche Rückführung von Staatsangehörigen diskutiert.
Sündenbock für wirtschaftliche Probleme
In den vergangenen Jahren gab es laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Südafrika immer wieder Wellen der Gewalt gegen im Land lebende afrikanische und asiatische Ausländer. Demnach gehen die sich verschlechternden sozioökonomischen Bedingungen des Landes, darunter eine Arbeitslosenquote von über 43 Prozent, mit dem Aufkommen von Anti-Einwanderungs-Aktivismus einher. Ausländische Staatsangehörige werden dabei zum Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme Südafrikas, die schlechte Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen und die hohen Kriminalitätsraten gemacht, auch wenn Studien solche Behauptungen widerlegen.