WHO-Chef fordert Waffenruhe in Ebola-Gebieten im Ostkongo

Die Konfliktparteien im Ostkongo müssten sich auf eine Waffenruhe einigen, fordert WHO-Chef Tedros. Nur so könnten die Helfer den Ebola-Ausbruch wirksam eindämmen.

Genf - Die Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo behindert laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Mittwoch in Genf vor einer Überforderung der Helfer in der Ituri-Provinz und forderte alle Konfliktparteien auf, einer sofortigen Waffenruhe zuzustimmen. Nur so könne ein sicherer und dauerhafter Zugang für medizinische Teams gewährleistet werden, sagte Tedros.

Die anhaltenden Kämpfe führten zu Massenfluchtbewegungen und drängten gefährdete Menschen in überfüllte Lager, sagte der WHO-Chef: „Die Helfer an vorderster Front riskieren alles, während Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen die Nachverfolgung von Fällen und deren Kontaktpersonen nahezu unmöglich machen.“

Internationaler Gesundheitsnotstand

Der Ebola-Ausbruch im Ostkongo war vor knapp zwei Wochen bekannt geworden. Die WHO rief angesichts der schnellen Ausbreitung des Virus kurz darauf einen internationalen Gesundheitsnotstand aus. In den von dem Infektionsgeschehen betroffenen Gebieten bekämpfen sich verschiedene Milizen und die staatlichen Sicherheitskräfte. Das Gesundheitssystem befindet sich in einem desolaten Zustand.

Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, wodurch eine Eindämmung zusätzlich erschwert wird. Zuletzt registrierte die WHO mehr als 900 Verdachtsfälle und 220 mutmaßliche Todesfälle. 101 Ebola-Erkrankungen und zehn Todesfälle wurden demnach bestätigt.

Hilfseinsatz von „Ärzte ohne Grenzen“

„Ärzte ohne Grenzen“ bereitet nach eigenen Angaben mit den kongolesischen Gesundheitsbehörden einen großangelegten Hilfseinsatz vor. Es seien bereits 60.000 Schutzanzüge in die Einsatzregion gebracht worden, acht Tonnen an Hilfsgütern seien auf dem Weg aus der Hauptstadt Kinshasa in den Osten des Landes.

Am Donnerstag solle ein Transport von 68 Tonnen medizinischem Material und logistischer Ausrüstung von Belgien in den Ostkongo starten, hieß es. Zugleich würden in den betroffenen Gebieten Isolationsbereiche sowie Strukturen für Diagnostik, Behandlung und Infektionsschutz aufgebaut. Mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der Region und bereiteten gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden den Hilfseinsatz vor.

Kritik an Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit

Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mahnte angesichts der Ebola-Krise eine deutliche Erhöhung der deutschen Ausgaben für Entwicklungshilfe an. Deutschland solle seinen Etat für das Entwicklungsministerium wie den für Verteidigung konsequent aufstocken, nicht zusammenstreichen, sagte Lauterbach der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Es gehe um humanitäre Leistungen, aber vor allem auch um Eigenschutz.

Die gekürzten Mittel der USA trügen bereits dazu bei, dass Gesundheitssysteme in afrikanischen Ländern wie dem Kongo zerfallen. So könnten sich extrem gefährliche Viren wie Ebola rascher ausbreiten und Pandemien mit wirtschaftlichen Folgen auch für Deutschland auslösen, warnte der Mediziner Lauterbach.

Ebola wird durch Kontakt von Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen - mit hohem Ansteckungsrisiko etwa bei der Pflege von Kranken. Eine Infektion mit der Bundibugyo-Variante verläuft nach Einschätzung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in 25 bis 50 Prozent der Fälle tödlich.

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