Berlin/Lima - Inmitten einer tiefen institutionellen Krise ist die Bevölkerung in Peru am Sonntag zur Stichwahl für das Präsidentenamt aufgerufen. Die erste Runde am 12. April entschied die Rechtspopulistin Keiko Fujimori mit 17,2 Prozent für sich. Ihr Kontrahent, der Linkspopulist Roberto Sánchez, kam auf zwölf Prozent der Stimmen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird erwartet. Die rund 27 Millionen Stimmberechtigten in dem südamerikanischen Land unterliegen der Wahlpflicht.
Keiko Fujimori ist die Tochter von Alberto Fujimori, der Peru von 1990 bis 2000 autoritär regiert hat und wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen verurteilt wurde. Bei ihrem letzten Wahlkampfauftritt kündigte sie an, eine „technokratische Regierung“ bilden und nur eine Amtszeit regieren zu wollen, wie die Zeitung „El Comercio“ berichtete. Angesichts der polarisierten Bevölkerung rief sie zu Konsens und Versöhnung auf. Fujimori steht bereits zum vierten Mal in der Stichwahl.
Viele Jahre politischer Instabilität
Der Linkspopulist Roberto Sánchez hat es mit Unterstützung der ländlichen Bevölkerung des Süden des Landes in die Stichwahl geschafft. Er versprach bei seiner Abschlussrede eine Stärkung der öffentlichen Bildungs- und Gesundheitssysteme. Entgegen Behauptungen seiner Gegner wolle Sánchez die Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen wie der Zentralbank respektieren und die Gewaltenteilung wieder herstellen, zitierte ihn die Zeitung „La República“.
Peru hatte innerhalb der vergangenen zehn Jahre insgesamt acht Präsidenten, die in regelmäßigen Abständen vom Parlament abgesetzt wurden. Geprägt von politischer Instabilität, sind Kriminalität und Korruption im Land stark gestiegen. Bei der ersten Wahlrunde öffnete die Wahlbehörde aufgrund technischer Fehler manche Wahllokale erst gegen Nachmittag, weshalb die Abstimmung um einen Tag verlängert werden musste. Später benötigte sie über einen Monat, um ein endgültiges Wahlergebnis festzustellen.