Berlin/Lima - Das endgültige Ergebnis der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru wird erst Mitte Juli erwartet. Dies gab der nationale Wahlrat (JNE) am Montag (Ortszeit) bekannt. Bis zu diesem Datum sollen die bislang mehr als 1.500 beanstandeten Wahlprotokolle kontrolliert und nachgezählt werden, sagte eine Sprecherin des JNE laut der Zeitung „La República“. Häufig beinhalteten die Protokolle rechnerische Fehler, erklärte sie.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die Wahlbehörde, dass bislang 95 Prozent der Stimmen ausgezählt seien. Dabei erhielt der Linkspopulist Roberto Sánchez 50,1 Prozent der Stimmen und liegt damit gerade einmal 0,2 Prozentpunkte vor der Rechtspopulistin Keiko Fujimori. Beide Kandidaten wollen aufgrund des geringen Stimmenunterschieds auf ein endgültiges Ergebnis der Wahlbehörden warten.
Sánchez sieht sich als Nachfolger des im Jahr 2022 wegen eines Putschversuchs abgesetzten und mittlerweile inhaftierten linken Ex-Präsidenten Pedro Castillo. Er verspricht, den Sozialstaat auszubauen und die Gewaltenteilung in Peru wieder herzustellen. Fujimori ist die Tochter des von 1990 bis 2000 autoritär regierenden Alberto Fujimori. Sie will mit harter Hand gegen Kriminalität vorgehen und irregulär im Land lebende Migranten ausweisen.
Peru hatte in den vergangenen zehn Jahren insgesamt acht Präsidenten. Das Land ist geprägt von politischer Instabilität, Kriminalität und Korruption sind stark gestiegen. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen hatte der drittplatzierte ultrarechte Kandidat Rafael López Aliaga den Vorwurf der Wahlfälschung erhoben, legte allerdings nie Beweise vor.