Berlin/Lima - Im vierten Anlauf hat sie es geschafft: Keiko Fujimori ist mit rund 50,1 Prozent der Stimmen zur neuen Präsidentin Perus gewählt worden. Äußerst knapp setzte sich die rechtsgerichtete Politikerin gegen ihren linken Herausforderer Roberto Sánchez durch.
Die 51-jährige Keiko Fujimori leitete bereits an der Seite ihres Vaters, dem autoritär regierenden Machthaber Alberto Fujimori, staatliche Wohlfahrtsstiftungen. Nun kehrt sie zurück in den Präsidentenpalast „Casa de Pizarro“ in der Hauptstadt Lima.
Keine Entschuldigung für Verbrechen
Sie erklärte wiederholt, in die Fußstapfen ihres wegen Menschenrechtsverbrechen und Korruption verurteilten Vaters treten zu wollen, der 2024 gestorben war. Alberto Fujimori hatte 1990 die Wahlen gewonnen, löste im Jahr 1992 das Parlament auf und regierte für die folgenden acht Jahre das Land autoritär.
Traurige Berühmtheit erlangte er mit der Zwangssterilisierung von mehr als 300.000 meist indigener Frauen und als Urheber mehrerer Massaker an der lokalen Bevölkerung. Keiko Fujimori hat sich für die Verbrechen niemals entschuldigt. Stattdessen bewirkte sie, dass ihr Vater im Jahr 2017 vom damaligen Präsidenten Pedro Kuczynski begnadigt wurde.
Während ihrer Kampagne unterstrich Keiko Fujimori die aus ihrer Sicht positiven Aspekte der Regierung ihres Vaters. Mit wirtschaftsliberalen Reformen konnte er die Hyperinflation im Land stoppen und durch Militärgewalt schaltete er die im Land agierende maoistische Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ aus. „Heute brauchen wir wieder starke Führungspersonen, wie es mein Vater war“, versprach Fujimori während einer Debatte.
Gewalt nimmt zu
Damit weckt sie bei einem Teil der Bevölkerung Hoffnung auf Stabilität und Sicherheit. Peru hatte innerhalb von zehn Jahren acht Präsidenten. Zugleich stieg die Gewalt durch kriminelle Banden stark an. Die Mordrate verdoppelte sich zwischen 2011 und 2025 von 5,5 ermordeten Personen pro 100.000 Einwohner auf 10,7.
Der Politikwissenschaftler Alejandro Godoy sieht Fujimori mitverantwortlich für die politische Krise. „Im Hintergrund hat Fujimori bereits mitregiert“, sagt Godoy. Tatsächlich hat sie als Führungsperson von Fuerza Popular, der stärksten Partei im Parlament, Gesetze unterstützt, mit denen die Verfolgung von organisierter Kriminalität erschwert wurde. Mehrmals war sie an der Absetzung von einem der Präsidenten beteiligt.
Dialog mit der Opposition
Konfrontiert ist Keiko Fujimori mit einem tief gespaltenen Land. In den ländlichen Regionen im Süden Perus, wo ein Großteil der Menschenrechtsverbrechen ihres Vaters verübt wurde, erhielt sie teilweise weniger als 20 Prozent der Stimmen. In den Parlamentskammern besitzt ihre Partei nur ein Viertel der Sitze.
Nach der Wahl zeigte sie sich versöhnlich und erklärte, mit der Opposition in einen Dialog treten zu wollen. Und: Anders als ihr Vater Alberto verspricht Keiko Fujimori, nur eine Amtszeit von fünf Jahren anzustreben.