Frankfurt a.M., La Guaira - Nach dem verheerenden Erdbeben in Venezuela kommt die Hilfe laut Diakonie Katastrophenhilfe vor allem in ländlichen Gebieten erst langsam an. Viele Familien seien auf sich allein gestellt, erklärte das evangelische Hilfswerk am Mittwoch in Berlin. Völlig erschöpfte Rettungskräfte suchten weiter nach Verschütteten.
„Die Lage vieler Menschen ist erschütternd, weil sie alles verloren haben oder Angehörige verletzt, tot oder weiterhin verschwunden sind“, erklärte Dagmar Pruin, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. Viele Familien müssten in Stadien oder am Straßenrand unter freiem Himmel schlafen. In den ersten Tagen habe es außerdem mehr als 400 Nachbeben gegeben, was den Menschen Angst mache. Zusammen mit Partnern vor Ort leitete die Organisation Soforthilfe ein, unter anderem mit Wasserfiltern zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung, mit Medikamenten und dringend benötigter Notausstattung.
THW-Helferin: „Wir erleben viel Solidarität“
Das Ausmaß der Zerstörung ist nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) groß. „In La Guaira, wo wir eingesetzt sind, finden wir viele eingestürzte Häuser“, sagte Helferin Mareike Harms dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die ehrenamtliche Helferin ist mit einer Sucheinheit im Einsatz, die versucht, in den Trümmern noch Überlebende zu finden und zu retten. Mehr als 72 Stunden nach einer solchen Katastrophe wird dies unwahrscheinlicher. „Aber es gibt immer wieder Wunder“, sagte Harms.
Sie sieht ein großes Engagement der Bevölkerung bei der Bewältigung der Krise. „Wir erleben vor Ort viel Solidarität“, sagte Harms. „Viele Leute aus anderen Regionen und Betroffene kommen mit Hilfsgütern und suchen selbst nach Überlebenden.“ Parallel zu den Rettungssuchen liefen auch die ersten Aufräumarbeiten an.
Schwerstes Beben seit mehr als 100 Jahren
Venezuela war vergangene Woche von zwei aufeinanderfolgenden Beben mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 auf der Richterskala getroffen worden. Zuletzt bestätigte die venezolanische Regierung knapp 2.000 Tote. Knapp 16.000 Menschen haben demnach ihre Wohnung verloren.
Das Beben in Venezuela war das schwerste seit mehr als 100 Jahren. Aufgrund von Misswirtschaft und internationalen Sanktionen herrschte in Venezuela schon vor dem Beben eine humanitäre Krise.