Genf - Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat vor einer weiteren Verschärfung des Krieges im Sudan gewarnt. In der belagerten Stadt El Obeid seien im Juni mindestens 45 Zivilisten getötet und 45 weitere verletzt worden, sagte Türk am Freitag in Genf. Die Bevölkerung sei von einer Menschenrechtskatastrophe bedroht.
Während einer Dringlichkeitssitzung des UN-Menschenrechtsrates zum Krieg im Sudan betonte Türk, dass die Bevölkerung von El Obeid einem Beschuss von Drohnen ausgesetzt sei. Die Armee des Sudans und die Miliz „Rapid Support Forces“ (RSF) lieferten sich heftige Kämpfe rund um El Obeid, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan.
In der gesamten Region Kordofan haben laut Türk Drohnen beider Seiten wiederholt Märkte, Schulen, Tankstellen, Wasserinfrastruktur und zivile Fahrzeuge getroffen. Zudem erreicht die Wasserknappheit in El Obeid den Angaben nach einen kritischen Punkt.
Seite mehr als drei Jahren Krieg
Mit Beginn der Regenzeit seien die Menschen von übertragbaren Krankheiten, darunter Cholera, bedroht. Der Zustrom von Zehntausenden Menschen, die vor der Gewalt in anderen Teilen Kordofans flüchteten, erschwere die Versorgung der Bevölkerung.
Der seit mehr als drei Jahren währende Krieg im Sudan wird von den RSF-Kämpfern und der Armee mit brutaler Härte geführt, unter der die Bevölkerung leidet. Der Konflikt hat zu einer der größten humanitären Krisen weltweit geführt.
Mehr als 13 Millionen Menschen wurden vertrieben, die Hälfte der Bevölkerung ist auf Hilfe angewiesen und hat nicht genug zu essen. Der Zugang zu Hilfe ist besonders in den umkämpften Gebieten extrem eingeschränkt.