Menschenrechtler: China will Buddhismus in Tibet vereinnahmen

Anlässlich des 91. Geburtstages des Dalai Lama warnen Menschenrechtler vor einer Vereinnahmung seiner Nachfolger durch die chinesische Regierung. Sie fordern von der Bundesregierung klare Positionen zur Religionsfreiheit in Tibet.

Göttingen (epd). Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat die Bundesregierung aufgefordert, die Religionsfreiheit in Tibet zu schützen. Anlässlich des 91. Geburtstages des Dalai Lama am Montag (6. Juli) warnten die Menschenrechtler vor der geplanten Vereinnahmung seiner Nachfolger durch die chinesische Regierung. „Die Volksrepublik China beansprucht die Kontrolle über eine religiöse Institution, über die sie keine Befugnisse hat“, sagte Asien-Referentin Mirjam Kobold. Sie appellierte an die Bundesregierung, sich klar gegen diese Politik der Kommunistischen Partei Chinas zu positionieren.

Der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt für viele Tibeter. Die geistlichen Lehrer des tibetischen Buddhismus werden als Lamas bezeichnet. Bestimmte unter ihnen gelten nach tibetischer Glaubensvorstellung als bewusste Wiedergeburten ihrer Vorgänger und werden nach deren Tod in einem Kind wiedererkannt. So wurde auch der heutige Dalai Lama als Zweijähriger gefunden.

Expertin: Nächster Dalai Lama soll in China gefunden werden

Genau diesen religiösen Vorgang beansprucht der chinesische Staat den Menschenrechtlern zufolge inzwischen für sich: Seit 2007 unterwerfe die Volksrepublik per Verwaltungsdekret die Anerkennung sämtlicher Reinkarnationen einer staatlichen Genehmigungspflicht. Wiedergeburten von Lamas außerhalb Chinas habe sie für unzulässig erklärt.

Der nächste Dalai Lama solle auf diese Weise in China gefunden und von der Zentralregierung bestätigt werden, sagte Kobold. „Die Agenda dahinter ist offensichtlich: Wer die höchste religiöse Instanz besetzt, verfügt über die Religion als Ganzes. Der tibetische Buddhismus soll dem Einheitsverständnis Pekings unterworfen werden.“

China-Politik nicht auf Wirtschaft verengen

Die Bundesregierung schweige zur Nachfolgefrage, kritisierte die Expertin. „Wer den Austausch mit Peking auf Handel und Marktzugänge verengt und fundamentale Rechte wie die Religionsfreiheit der Tibeter ausblendet, überlässt der Kommunistischen Partei das Feld und akzeptiert ihre Spielregeln.“

 

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