Berlin - Seit Anfang des Jahres sind laut aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen mindestens 2.676 Menschen auf Migrationsrouten ums Leben gekommen oder werden vermisst. Allein 1.570 Menschen seien auf dem Weg nach Europa verschollen, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch in Berlin. Damit sei die Zahl der verunglückten Migrantinnen und Migranten mit Ziel Europa im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel (27 Prozent) gestiegen.
Europa befinde sich im „Zentrum einer humanitären Krise“, sagte die IOM-Koordinatorin des „Missing Migrants Project“, Andrea Garcia Borja: Auf allen Fluchtrouten über das Mittelmeer sei in der ersten Jahreshälfte eine Zunahme der Todesfälle zu verzeichnen gewesen, obwohl die Zahl der verzeichneten Ankünfte im gleichen Zeitraum abgenommen habe. Jeder dritte Todesfall (32 Prozent) habe sich auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ereignet. Diese Seeroute sei 2026 nach wie vor der gefährlichste Migrationsweg weltweit.
Deutlich mehr Tote auf östlicher Mittelmeerroute
Eine besorgniserregende Entwicklung seien zudem die gestiegenen Todeszahlen auf der sogenannten östlichen Mittelmeerroute von Libyen nach Kreta: Dort stieg die Zahl der dokumentierten Fälle den Daten zufolge um 167 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein 165 Todesfälle seien dort in der ersten Jahreshälfte verzeichnet worden, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liege. Grund für die steigenden Zahlen sei unter anderem fehlende Seenotrettung auf dem rund 300 Kilometer umfassenden Seeweg, erklärte Borja: „Fast niemand überwacht diese Route, niemand vollzieht Such- und Rettungseinsätze.“
Seit die IOM im Jahr 2014 mit den Erfassungen begonnen hat, wurden mehr als 83.900 Todes- und Vermisstenfälle auf den weltweiten Migrationsrouten registriert. Rund die Hälfte der Fälle wurde demnach auf dem Weg nach Europa erfasst. Die IOM gehört zu den Vereinten Nationen und hat ihren Sitz in Genf. In Berlin befindet sich eine Außenstelle.
