GIZ richtet sich mit Umbau und Einsparungen neu aus

Interne Finanzskandale, Sparmaßnahmen und wachsender Druck auf Entwicklungspolitik: Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) will sich umfassend neu aufstellen. Dazu zählen 60 Millionen Euro Einsparungen und Stellenabbau.

Berlin - Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steht unter Druck: Angesichts eines millionenschweren Veruntreuungsskandals, veränderter politischer Prioritäten und wachsenden Spardrucks will sich die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umfassend neu aufstellen. Ein „Weiter so wie bisher ist für uns keine Option“, sagte Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel am Donnerstag bei der jährlichen Pressekonferenz in Berlin. Die GIZ wolle „besser, schneller und wirksamer“ arbeiten und mit Transparenz eine zukunftssichere Entwicklungszusammenarbeit gestalten.

Grund dafür ist unter anderem ein weitreichender Finanzskandal: Aus GIZ-Projekten im bürgerkriegsversehrten Jemen waren Veruntreuungen in zweistelliger Millionenhöhe ans Licht gekommen. „Unsere Compliance- und Kontrollstandards haben gegriffen und die kaufmännischen Unregelmäßigkeiten aufgedeckt“, sagte Schäfer-Gümbel. Der Fall werde konsequent weiterverfolgt, alle „Fehlbeträge an Auftraggeber zurückgezahlt“. Durch Risikobewertungen, neue Auflagen rund um die Rotation kaufmännischer Positionen und verpflichtende Kontrollen sollen vergleichbare Fälle in Zukunft verhindert werden.

60 Millionen Euro Einsparungen

Der angekündigte Umbau der GIZ richte sich jedoch nicht nur auf verstärkte interne und externe Kontrollmechanismen, sondern gehe auch mit finanziellen Einsparungen einher. „Wir werden dauerhaft Strukturkosten in Höhe von rund 60 Millionen Euro einsparen“, kündigte Schäfer-Gümbel an. Dabei werde die Arbeit in Partnerländern gestärkt und Strukturen in Deutschland verschlankt. Die insgesamt 18 Stabsstellen und Bereiche der GIZ sollen zudem auf 14 reduziert werden. Die neue Struktur gelte ab Mai 2027.

Personalabbau spiele ebenfalls eine Rolle, sagte der GIZ-Vorstandssprecher: Seit 2023 seien bereits rund 2.000 Stellen abgebaut worden, dieser Trend werde in den kommenden Jahren vor allem in Deutschland fortgesetzt. Für die GIZ arbeiteten den Zahlen zufolge im vergangenen Jahr fast 24.000 Menschen aus 152 Nationen.

Mehr Wirtschaftlichkeit wegen Kürzungen im Entwicklungsetat

Der Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ), Niels Annen, befürwortete den Reformkurs. Die GIZ werde „mehr auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit“ setzen und trage den im Bundeshaushaltsentwurf 2027 verankerten Kürzungen im Entwicklungsetat Rechnung. Zugleich bleibe internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je: „Unser Frieden, unsere Sicherheit und unser Wohlstand hängen neben einem geeinten Europa entscheidend von unseren Partnerschaften im Globalen Süden ab“, sagte Annen. Die GIZ sei dabei weiterhin „der zentrale Partner der Bundesregierung“.

Als Bundesunternehmen setzt die GIZ weltweit Projekte der Entwicklungszusammenarbeit um und ist in rund 120 Ländern aktiv. Das Geschäftsvolumen blieb im Vergleich zum Vorjahr mit knapp vier Milliarden Euro nahezu stabil. Hauptauftraggeber war den Zahlen zufolge mit rund 3,2 Milliarden Euro weiterhin das BMZ. Als größter Posten flossen demnach rund 1,2 Milliarden Euro in GIZ-Projekte zu Klima und Energie. Beispielsweise erhielten elf Millionen Menschen Zugang zur Stromversorgung. In weiteren Projekten seien 2,7 Millionen Geflüchtete unterstützt worden.

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