Diakonie Katastrophenhilfe warnt: Kürzungen kosten Menschenleben

Anhaltende Krisen im Sudan, der Ukraine oder Nahost: Das evangelische Hilfswerk Diakonie Katastrophenhilfe kritisiert die Sparpolitik der Bundesregierung bei humanitärer Hilfe und warnt vor gravierenden Folgen für Millionen Betroffene.

Berlin - Weniger öffentliche Gelder trotz steigender Not: Die Diakonie Katastrophenhilfe hat die Bundesregierung angesichts zahlreicher Konflikte und Naturkatastrophen weltweit dazu aufgerufen, ihre finanziellen Einschnitte für humanitäre Hilfe zurückzunehmen. „Die Kürzungen kosten Menschenleben und schwächen unsere Partner vor Ort, die schier Unglaubliches leisten“, sagte die Präsidentin der evangelischen Hilfsorganisation, Dagmar Pruin, am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts in Berlin. Trotz steigenden Bedarfs seien 2025 die öffentlichen Mittel an das Hilfswerk um rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Zuwendung des Auswärtigen Amts seien mit 9,8 Millionen Euro im Vergleich sogar fast halbiert worden.

„Jeder dritte Euro für humanitäre Hilfe wurde weltweit in den vergangenen zwei Jahren gestrichen“, sagte Pruin. „Deutschland kann mehr leisten, Deutschland muss mehr leisten“, betonte sie. Insbesondere seit dem weitgehenden Wegfall von US-Hilfen sei das humanitäre System massiv unterfinanziert, während mehr als 300 Millionen Menschen im vergangenen Jahr auf Hilfe angewiesen gewesen seien. Pruin appellierte an die Bundesregierung, den Etat wieder auf das Niveau von 2022 anzuheben - damals stellte Deutschland rund 3,1 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe bereit. Im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sind nur noch rund eine Milliarde Euro vorgesehen.

Einschnitte in Jemen, Somalia und Bangladesch erwartet

Die finanziellen Einschnitte machten sich vor allem in Ländern bemerkbar, in denen ungelöste Krisen unter dem Radar der Öffentlichkeit weiter voranschritten, sagte der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Keßler. Im laufenden Jahr habe die Präsenz im Jemen eingeschränkt werden müssen, für Somalia zeichne sich bereits eine ähnliche Entwicklung ab. Auch in Bangladesch, wo an der Grenze zu Myanmar hunderttausende Menschen Zuflucht fanden, müssten voraussichtlich noch in diesem Jahr Projekte gekürzt werden.

Eine weitere besorgniserregende Entwicklung war dem Hilfswerk zufolge die zunehmende Gefährdung von humanitären Helferinnen und Helfern: 2025 sei mit insgesamt 326 getöteten Mitarbeitenden humanitärer Organisationen das bislang tödlichste Jahr gewesen. „Menschen, die Leben retten wollen, werden selbst zu Opfern - durch Schüsse, Bomben und Drohnen“, warnte Pruin.

Hohe Spendenbereitschaft und Unterstützung in der Bevölkerung

In der deutschen Bevölkerung hat die Arbeit des Hilfswerks weiterhin großen Rückhalt: Während die öffentlichen Mittel für die Diakonie Katastrophenhilfe 2025 auf 18 Millionen Euro sanken, blieb die Spendenbereitschaft mit insgesamt 29,9 Millionen Euro auf einem vergleichbaren Niveau zum Vorjahr. Humanitäre Hilfe genieße in der Bevölkerung eine große Unterstützung, betonte Pruin: Rund drei Viertel der Befragten halten sie laut einer YouGov-Umfrage für wichtig, über 40 Prozent wünschten sich demnach mehr als die im Bundeshaushaltsentwurf geplanten 0,2 Prozent des Gesamtetats für humanitäre Hilfen.

Insgesamt setzte die Diakonie Katastrophenhilfe nach eigenen Angaben 65,2 Millionen Euro mit 113 lokalen Partnerorganisationen sowie internationalen Partnern in 42 Ländern um. Damit sanken die Gesamtausgaben für die Programmarbeit im Vorjahresvergleich um 14,5 Millionen Euro.

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