Welthungerhilfe: Kürzungen bedrohen Erfolge

Eine Welt der Krisen trifft auf kleiner werdende Budgets in der Entwicklungshilfe. Die Welthungerhilfe bilanziert in ihrem Jahresbericht dennoch ein erfolgreiches Jahr.

Berlin - Die Welthungerhilfe sieht angesichts weltweit zurückgehender Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit die Bekämpfung von Hunger gefährdet. „Kürzungen bedrohen die Erfolge, die wir in den letzten Jahren erreichen konnten“, kritisierte Welthungerhilfe-Generalsekretär Mathias Mogge am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichts der Organisation.

Für Mogge stellte 2025 dennoch ein „durchaus erfolgreiches Jahr“ für die Welthungerhilfe dar. Trotz sinkender Zuschüsse aus Deutschland konnte etwas mehr Geld für Projekte ausgeben werden als im Jahr 2024. Insgesamt seien 348,3 Millionen Euro für die Bekämpfung von Hunger und Armut eingesetzt worden, rund 0,8 Millionen Euro mehr als 2024.

Deutschland gibt weniger, UN mehr

Öffentliche Zuwendungen aus Deutschland betrugen im vergangenen Jahr 141,8 Millionen, davon 68,2 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt und 60,6 Millionen Euro vom Bundesentwicklungsministerium. 2024 waren es noch insgesamt 147,1 Millionen Euro gewesen. Zwölf Millionen Euro mehr gab es im vergangenen Jahr von den Vereinten Nationen, insgesamt 98 Millionen Euro.

Bei neu abgeschlossenen Zuschussverträgen habe es jedoch erhebliche Rückgänge gegeben, sagte Mogge. Die Auswirkungen davon werden allerdings erst in den kommenden Jahren zu spüren sein.

Hunger ein lösbares Problem

Auch die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, wies auf die Folgen von finanziellen Kürzungen für Deutschland hin. Die Bundesrepublik verliere durch Kürzungen und weniger internationale Entwicklungszusammenarbeit an Bedeutung, mahnte sie. Es würden „Budgets gekürzt, die unverzichtbar sind“. Thieme zeigte sich dennoch optimistisch: Hunger sei das „größte, aber durchaus auch lösbare Problem unserer Zeit“. Die Vereinten Nationen verfolgen das Ziel, eine hungerfreie Welt bis zum Jahr 2030 zu schaffen.

Die Welthungerhilfe hat im vergangenen Jahr 19,1 Millionen Menschen (2024: 18,7 Millionen) in 37 Ländern unterstützt. Die höchste Förderung erhielten demnach Projekte der Welthungerhilfe im Südsudan (53,2 Millionen Euro), gefolgt vom Sudan (28,5 Millionen Euro) und der Ukraine (21,2 Millionen Euro). Auf die Kontinente betrachtet floss das meiste Geld an Projekte in Afrika (221,4 Millionen Euro), gefolgt von Asien (80,4 Millionen Euro).

Nächste Katastrophe im Sudan befürchtet

Die größte humanitäre Krise spielt sich laut Welthungerhilfe weiterhin im Sudan ab. Nach drei Jahren Bürgerkrieg seien dort rund 34 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, mehr als 19 Millionen litten an akutem Hunger. Mogge nannte die Lage in dem afrikanischen Land „aktuell katastrophal“. Die Welthungerhilfe befürchte „das Schlimmste“ für die im Süden des Landes gelegene Stadt Al-Obeid. Die Stadt könnte ein ähnliches Schicksal erleiden wie Al-Faschir, wo die RSF-Miliz im vergangenen Jahr durch lange Belagerung eine Hungersnot auslöste und Gräueltaten an der Bevölkerung verübte.

Auch im Gaza-Streifen seien die Lebensverhältnisse „eigentlich unhaltbar“, sagte Mogge. Es sei „nicht einfach“, Güter in die von Israel umringte Küstenregion zu bekommen. Seit Monaten erhält die Welthungerhilfe laut Mogge keine Einfuhrgenehmigung von Israel.

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