Frankfurt a.M., Kabul. Vier Monate nach dem pakistanischen Luftangriff auf eine Einrichtung für suchtkranke Menschen in der afghanischen Hauptstadt Kabul dringt Amnesty International auf eine unabhängige Untersuchung. Die Menschenrechtsorganisation bezeichnete den Angriff vom 16. März am Mittwoch als schwerwiegenden Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und als mögliches Kriegsverbrechen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bei dem Beschuss mindestens 269 Zivilisten getötet und 122 weitere verletzt.
Der Angriff auf das Omid-Rehabilitationszentrum hat international für Kritik gesorgt. Der frühere Nato-Stützpunkt war nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 zu einem Rehabilitationszentrum für Suchtkranke mit rund 2000 Behandlungsplätzen umgebaut worden. Die pakistanische Regierung behauptete, das Gelände sei zur Lagerung von Waffen und Munition genutzt worden.
Amnesty widerspricht dem Militär Pakistans
Amnesty widerspricht vehement. Es gebe keine Beweise für die Behauptung des pakistanischen Militärs, erklärt die Menschenrechtsorganisation und verweist auf die Auswertung Dutzender Fotos, Videos und Satellitenbilder sowie Interviews mit Klinikmitarbeitern, Augenzeugen und Angehörigen von Opfern des Angriffs.
„Unsere Untersuchungen deuten stark darauf hin, dass es sich nicht um ein legitimes militärisches Ziel im Sinne des Völkerrechts handelte“, sagt die Südasien-Expertin der Organisation, Isabelle Lassee. Es bedürfe daher einer umgehenden Untersuchung, insbesondere der Entscheidungsprozesse, die zu dem Angriff geführt hätten.
Seit dem vergangenen Herbst kam es wiederholt zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Pakistan und Afghanistan. Die pakistanische Regierung wirft den Taliban in Afghanistan vor, die pakistanischen Taliban, die Tehrik-e Taliban Pakistan (TTP), zu unterstützen. Diese haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge in Pakistan verübt. Die Taliban weisen den Vorwurf jedoch zurück.
