Äthiopien: Regierung geht gegen unabhängiges Medienhaus vor

Nairobi. In Äthiopien wurde der Chefredakteur der unabhängigen Zeitung „Addis Standard“ vorübergehend festgenommen. Dies erklärte die Verlagsgruppe Jakenn Publishing, zu der der „Standard“ gehört, nach Berichten der Zeitung vom Donnerstag. Demnach wurde Yonas Kedir am Samstag stundenlang verhört und nach rund 24 Stunden wieder freigelassen.

Am Tag darauf seien die Verlagsbüros durch eine „Gruppe schwer bewaffneter Sicherheits- und Geheimdienstbeamten gestürmt worden, die Ausrüstung beschädigt und mitgenommen hätten. Am Montag dann sei der Vermieter der Räume von den Behörden dazu gedrängt worden, deren Vertrag fristlos zu kündigen und die Räumung zu fordern, wogegen sich das Medienunternehmen nun rechtlich wehren will.

Lage der Medien in Äthiopien immer schwieriger

Der „Addis Standard“, zu dem mehrere Formate in Print und Online in drei Sprachen gehören, ist damit zum wiederholten Mal Opfer staatlichen Vorgehens. Im April war nach Angaben des Verlags der Chef vom Dienst Million Beyene von Personen in Zivil aus dem Redaktionsbüro verschleppt und zwei Wochen lang in einem informellen Gefängnis festgehalten worden. Bereits im Februar entzog die Medienbehörde der Zeitung die Online-Lizenz. Dagegen ist das Medienhaus vor Gericht gezogen, der Prozess läuft noch.

Die Arbeit für unabhängige Medien in Äthiopien wird immer schwieriger. Nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Abiy Ahmed 2018 herrschte zunächst Hoffnung auf eine Öffnung des zivilgesellschaftlichen Raums. Doch dessen Regierung verfolgt schon seit Jahren gezielt Journalisten und Kritiker seiner Regierung. Auf dem Index der Pressefreiheit der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ belegt Äthiopien Platz 148 von 180.

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