München, Genf (epd). Die Zahl der Opfer von Streubomben ist laut Handicap International im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Vor allem habe die mehr als Vervierfachung der Opferzahlen in der Ukraine dazu beigetragen, heißt es im Streubomben-Monitor, an dem die Hilfsorganisation beteiligt ist und der am Dienstag veröffentlicht wurde. Weltweit wurden demnach 2025 mindestens 1.063 Menschen durch Streubomben verletzt oder getötet - 87 Prozent von ihnen waren Zivilistinnen und Zivilisten. Die tatsächliche Zahl könne jedoch deutlich höher liegen, da viele Fälle nicht gemeldet würden.
Die Ukraine verzeichnete zum vierten Mal in Folge die höchste Opferzahl. 2025 wurden dort 927 Menschen durch Streubomben verletzt oder getötet, mehr als das Vierfache der 208 Opfer von 2024. Die allermeisten wurden bei Angriffen getroffen, einige durch Munitionsrückstände. Laut Handicap setzen in der Ukraine sowohl die nationalen Streitkräfte als auch Russland Streumunition ein.
„Kinder beim Spielen getötet oder verletzt“
Neben Russland und der Ukraine setzten 2025 laut dem Bericht auch der Iran, Myanmar und Thailand diese verheerenden Waffen ein. Opfer durch Blindgänger habe es in insgesamt neun Ländern gegeben; darunter in Syrien (68), Laos (8) und Afghanistan (5). Mindestens 29 Staaten oder Gebiete sind den Angaben nach mit Blindgängern verseucht.
„Jahr für Jahr stellen Zivilistinnen und Zivilisten die überwältigende Mehrheit der Opfer dar“, erklärte Eva Maria Fischer von Handicap International Deutschland. „Kinder werden oft beim Spielen von den kleinen, glänzenden Sprengkörpern getötet oder verletzt.“
Dem am 2008 verabschiedeten und 2010 in Kraft getretenen Streubomben-Verbotsvertrag (Osloer Konvention) gehören laut Handicap 112 Staaten an, darunter Deutschland. Die Länder ächten den Einsatz, die Entwicklung, die Produktion, die Lagerung und die Weitergabe der Munition, die von Geschützen verschossen oder von Flugzeugen abgeworfen wird. Die USA, China, Russland und die Ukraine gehören der Konvention nicht an. Der Streubomben-Monitor wird von der Internationalen Koalition gegen Streumunition (CMC) herausgegeben, der Handicap angehört.