Berlin - Amnesty International kritisiert die Anwerbung ausländischer Staatsangehöriger durch Russland für den Ukraine-Krieg als Menschenhandel. Russland werbe mit Täuschung, Zwang und Ausbeutung Menschen aus dem Ausland für seine Streitkräfte an und schicke sie in den Krieg gegen die Ukraine, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag in Berlin. Dies erfülle in vielen Fällen „den Tatbestand des Menschenhandels“.
Betroffen seien vor allem Menschen aus einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens, hieß es. „Russlands Armee füllt ihre Reihen mit ausländischen Staatsangehörigen auf, die in wirtschaftlicher Not sind, und verheizt sie als Kanonenfutter im Angriffskrieg gegen die Ukraine“, sagte Julia Duchrow, Amnesty-Generalsekretärin in Deutschland.
Nach zwei Wochen ins Kampfgebiet
Die Menschenrechtsorganisation verwies auf eigene Recherchen. Dabei habe Amnesty zwischen 2024 und 2026 in zwei ukrainischen Kriegsgefangenenlagern Aussagen von Betroffenen aus Ländern wie Brasilien, Kolumbien, Sri Lanka, Somalia und Südafrika aufgenommen. Zudem habe man Informationen von ausländischen Staatsangehörigen bei der russischen Armee sowie von Anwältinnen und Journalisten erhalten.
Amnesty warf Russland vor, die Menschen mit der Aussicht auf einen zivilen Beruf ins Land zu locken, etwa als Fahrer oder Koch. Dazu würden oft hohe Gehälter und eine schnelle russische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt. In Russland angekommen, werde den Opfern der Anwerbung mit Gefängnis oder Tod gedroht, sollten sie fliehen. Die meisten von ihnen kämen nach nur zwei Wochen Ausbildung in ein aktives Kampfgebiet.
Die Rekrutierungsbemühungen Russlands haben zuletzt etwa in afrikanischen Ländern wie Kenia oder Südafrika für Schlagzeilen gesorgt. Die Vereinten Nationen definieren Menschenhandel als Anwerbung von Menschen durch Gewalt, Betrug oder Täuschung, mit dem Ziel, sie auszubeuten. Das Bundeskriminalamt bezeichnet Menschenhandel als eine schwere Menschenrechtsverletzung.