Berlin - Die Höhenlagen über 2.000 Meter von Äthiopien galten lange Zeit als frei von Malaria. Dort war es einfach zu kalt für die Anopheles-Mücke, die den Erreger überträgt. Steigende Temperaturen durch die Klimakrise lassen inzwischen allerdings Übertragungen in höheren Regionen zunehmen. Ähnliches wird in Kenia und Kolumbien beobachtet.
Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden, breiten sich aufgrund des Klimawandels aus. Und die Anzahl der Fälle steigt. Das umfasst nicht nur von Parasiten ausgelöste Krankheiten wie Malaria, sondern auch etwa die Viruskrankheiten Dengue oder Chikungunya.
Malaria oft tödlich
Malaria aber bleibt besonders bedrohlich: Unbehandelt ist sie oft tödlich, vor allem für Kinder unter fünf Jahren. In Afrika verzeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehrere Hunderttausend Todesfälle bei kleinen Kindern.
Als etwas weniger gefährlich gelten die Krankheiten, die von der asiatischen Tigermücke übertragen werden: Chikungunya, Dengue und Zika verursachen häufig grippeähnliche Symptome mit Fieber und Gliederschmerzen. Doch auch sie können in seltenen schweren Fällen lebensbedrohlich sein.
Von Klimakrise und Krankheiten doppelt getroffen
Laut Prognosen werden die Fälle der meisten Infektionskrankheiten in den kommenden Jahren weltweit zunehmen, besonders betroffen davon werden Afrika südlich der Sahara und Teile von Südostasien und Zentralamerika sein. „Die Regionen, die sowieso schon besonders stark von der Klimakrise betroffen sind, leiden auch in Zukunft stärker unter von Mücken übertragbaren Krankheiten“, erklärt Jacob Levi von „Ärzte ohne Grenzen“. Gleichzeitig seien Menschen aufgrund der Umstände in Hochrisikogebieten oftmals besonders geschwächt, etwa wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation, schlecht ausgebauter Gesundheitssysteme oder in Kriegen und Konflikten.
Die Klimakrise ist nicht der einzige Grund für die Ausbreitung der Krankheiten. Dass Menschen immer mehr reisen, trägt auch dazu bei. Außerdem spielen Veränderungen in Wettermustern, wie etwa El Niño, eine Rolle. Und einige Mücken und Krankheitserreger werden zunehmende resistent gegen bisher genutzte Gegenmittel.
Zu wenig Geld für Forschung
Noch immer gibt es für viele der Krankheiten keine spezifischen Behandlungsoptionen. Das liege auch daran, dass in Forschung rund um Krankheiten im Globalen Süden weniger Geld fließe, sagt Gesundheitsexperte Levi von „Ärzte ohne Grenzen“. Dass die internationale Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit zuletzt stark zurückgegangen ist, sieht er zudem als riesiges Problem. So werde es auch immer schwieriger, einfache Präventionsmaßnahmen umzusetzen - wie etwa Mückennetze oder Insektizide zu verteilen.
Zumindest bei der Entwicklung von Impfstoffen werden einige Fortschritte gemeldet. Gegen Dengue und Chikungunya gibt es inzwischen Impfungen. Allerdings würden Menschen damit nicht schnell genug flächendeckend geimpft, erklärte Levi. Hoffnungen setzt er in relativ neue Impfstoffe gegen Malaria: Die verhindern Ansteckungen nicht vollständig, senken aber das Risiko von schweren Krankheitsverläufen. Zielgruppe sind Kleinkinder in afrikanischen Endemiegebieten.
Risiko auch in Europa
Zwar ist die Gefahr durch von Mücken übertragenen Krankheiten im Globalen Süden besonders groß, aber auch in Europa und Deutschland könnte sie ein wachsendes Problem werden, weil etwa die asiatische Tigermücke hier heimisch wird. Vor allem in Süddeutschland gibt es zunehmend Tigermücken, die verschiedene tropische Krankheiten übertragen.
Und dass auch Malaria in Europa zum Tod führen kann, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird, haben zuletzt Fälle in Frankfurt am Main gezeigt. Hier erkrankten Mitarbeitende des Flughafens, zwei von ihnen starben. Offenbar waren sie von einer aus dem Süden per Flieger eingeschleppten Anopheles-Mücke gestochen worden.