Genf - Nach zehn Jahren der Krisen und Kriege scheidet António Guterres im Dezember aus seinem Amt als UN-Generalsekretär. Das Rennen um die Nachfolge des Portugiesen (77) geht in die heiße Phase. Der UN-Sicherheitsrat wählt die neue Generalsekretärin oder den neuen Generalsekretär aus, die Generalversammlung ernennt sie oder ihn danach formell.
Der Generalsekretär ist der höchste Verwaltungsbeamte der Organisation und gilt als UN-Chefdiplomat. Seit 1946 waren alle Inhaber des Top-Jobs Männer. Vier davon stammten aus Europa, jeweils zwei aus Afrika und Asien. Einer kam aus Südamerika. Nun bewerben sich acht Kandidatinnen und Kandidaten um die Position, deren fünfjährige Amtszeit im Januar beginnt.
Ivonne A-Baki
Die Kandidatin Ivonne A-Baki (geboren am 23. Februar 1951) besitzt zwei Staatsbürgerschaften, die von Ecuador und des Libanons. Die frühere Botschafterin Ecuadors in den USA und Frankreich wurde von Tonga nominiert. A-Baki stieg erst spät in das Rennen ein. Sie will sich als mögliche UN-Generalsekretärin aktiv als Vermittlerin in Konflikten einbringen. Die ehemalige ecuadorianische Außenhandelsministerin sagt: „Die Vereinten Nationen brauchen jetzt keinen weiteren Amtsverwalter, sondern einen Friedensstifter.“
Michelle Bachelet
Als politisches Schwergewicht gilt Michelle Bachelet (geboren am 29. September 1951). Die zweimalige sozialistische Präsidentin Chiles war auch Ministerin und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte sowie Chefin von UN Women. Nominiert wurde sie von Chile, Brasilien und Mexiko. Die neue rechtsgerichtete Regierung Chiles entzog Bachelet hingegen die Unterstützung. Bachelet verspricht, sich als Generalsekretärin für eine Weltordnung basierend auf Respekt, Recht und Kooperation einzusetzen.
María Fernanda Espinosa Garcés
Die zweite Kandidatin aus Ecuador ist María Fernanda Espinosa Garcés (geboren am 7. September 1964). Nominiert wurde die frühere Außenministerin von Antigua und Barbuda. In den UN sammelte sie von September 2018 bis September 2019 als Präsidentin der Vollversammlung wertvolle Kenntnisse über die verschlungenen Verfahren der Weltorganisation.
Rafael Grossi
Rafael Grossi, der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), wurde von seinem Heimatland Argentinien nominiert. Der Spitzendiplomat (geboren 29. Januar 1961) bekleidete verschiedene internationale Positionen. Grossi setzte sich wiederholt für die Eindämmung von Nuklearwaffen ein. Als IAEA-Chef versuchte er, bei der Entschärfung des bewaffneten Konflikts der Atommächte USA und Israel gegen Iran zu helfen.
Rebeca Grynspan
Die Bewerberin aus Costa Rica, Rebeca Grynspan, gewann die erste Probeabstimmung im UN-Sicherheitsrat. Sie war von ihrem Heimatland nominiert worden. Grynspan (geboren am 14. Dezember 1955) war Vizepräsidentin Costa Ricas und leitet, derzeit beurlaubt, die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung. Die Ökonomin will sich auch als Generalsekretärin für eine gerechte Globalisierung starkmachen.
Olara Otunnu
Der Politiker und Diplomat Olara Otunnu wurde von seinem Heimatland Uganda nominiert. Otunnu (geboren am 6. September 1950) ist der älteste Kandidat, er war Außenminister Ugandas, vertrat sein Land als Botschafter bei den UN und diente der Weltorganisation als Sonderbeauftragter für Kinder und bewaffnete Konflikte. Der Afrikaner will als Generalsekretär die Autorität der UN stärken.
Carolyn Rodrigues Birkett
Carolyn Rodrigues Birkett, ehemalige Außenministerin aus Guyana, gewann die zweite Probeabstimmung im Sicherheitsrat. Seitdem wird die Botschafterin ihres Landes bei den UN als eine Favoritin gehandelt. Guyana hatte die gut vernetzte Birkett (geboren am 6. September 1973) auch nominiert. Als Generalsekretärin würde sie nach eigenem Bekunden proaktiv, pragmatisch und realistisch mit den Ländern kooperieren.
Macky Sall
Der frühere senegalesische Präsident Macky Sall wird als Außenseiter wahrgenommen. Burundi nominierte ihn. Sall (geboren am 11. Dezember 1961) verspricht, als Generalsekretär „eine ganzheitliche Vision von Frieden, Sicherheit, Entwicklung und gemeinsamem Wohlstand zu schaffen“. Der Senegalese würde auch versuchen, die UN-Sprache Französisch zu stärken.