Bonn - UN-Organisationen kritisieren zu langsame Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter. Der von UN Women und der UN-Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (DESA) veröffentlichte Bericht „Gender Snapshot 2026“ zeige sogar Rückschritte, beklagte UN Women Deutschland am Donnerstag in Bonn. Institutionen würden gezielt geschwächt, Finanzierungen gekürzt und Frauen von politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht ausgeschlossen.
So würden sechs von sieben Ländern von Männern geführt, in den nationalen Parlamenten säßen im Durchschnitt nur 27,4 Prozent weibliche Abgeordnete, hieß es. Zwischen 2020 und 2026 sei der Frauenanteil in den Parlamenten von 54 Ländern sogar gesunken. Frauen stellten nur ein Viertel der Unternehmensvorstände, in der Forschung seien weniger als ein Drittel der Beschäftigten Frauen.
Gewalt gegen Frauen hat zugenommen
Zugleich haben laut Bericht Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen teilweise deutlich zugenommen: 2025 seien mehr als doppelt so viele Fälle konfliktbezogener sexualisierter Gewalt bestätigt worden wie 2024, hieß es. Jede dritte Frau erlebe im Laufe ihres Lebens Partnerschaftsgewalt oder sexualisierte Gewalt. Frauenrechtsorganisationen, die sich für die Stärkung von Frauen und Mädchen einsetzen, werden den Angaben zufolge die Mittel gekürzt: von 2023 bis 2024 gingen sie um 28 Prozent zurück, weitere Kürzungen seien zu erwarten. Am stärksten betroffen seien Frauenorganisationen in humanitären Krisengebieten.
Angela Langenkamp, Vorstandsvorsitzende von UN Women Deutschland, mahnte politischen Willen und ausreichende Investitionen für die Gleichstellung der Geschlechter an. Notwendig seien umfassende Maßnahmen, die die Teilhabe von Frauen durch Quoten erhöhten, strukturelle Barrieren wie diskriminierende soziale Normen und geschlechtsspezifische Gewalt abbauten sowie die Finanzierung für Frauenorganisationen erhöhten und nicht senken.