Bonn, Berlin - Das von den UN ausgerufene Ziel einer globalen Bildungsgerechtigkeit bis zum Jahr 2030 wird nach aktuellen Erkenntnissen nicht mehr erreicht. Seit 2015 sei weltweit die Zahl der Kinder und Jugendlichen gestiegen, die keine Schule besuchen, teilte die UN-Bildungsorganisation Unesco am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der deutschsprachigen Kurzfassung des Weltbildungsberichts mit. Im Jahr 2024 lag die Zahl der betroffenen Jungen und Mädchen demnach bei 273 Millionen. Das sei der siebte Anstieg in Folge und ein Zuwachs von drei Prozent im Vergleich zu 2015.
Das bedeute, dass im Durchschnitt etwa jeder sechste Minderjährige oder Heranwachsende auf der Welt vom Bildungswesen ausgeschlossen sei, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Zugang und Chancengerechtigkeit“. Zudem dürfte die tatsächliche Zahl der Jungen und Mädchen, die keine Schule besuchen, noch höher liegen, wenn man Datenlücken berücksichtigt. Vermutlich liege sie noch um „mindestens 13 Millionen höher“.
Mehr Anmeldungen bei den Grundschulen
Gleichwohl gibt es den Angaben zufolge auch positive Entwicklungen. So verzeichne die Zahl der Anmeldungen für Grundschulen weltweit einen deutlichen Zuwachs. Mit 1,4 Milliarden Schülerinnen und Schülern im Jahr 2024 stieg die Zahl der Anmeldungen gegenüber dem Jahr 2000 um 30 Prozent. Die Länder hätten zudem ihren politischen Ansatz in Sachen Bildungsgerechtigkeit und Inklusion grundlegend gewandelt, hieß es. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), sagte: „Der Weltbildungsbericht zeigt, dass Fortschritte möglich sind, wenn wir langfristig investieren und besonders diejenigen in den Blick nehmen, die bislang benachteiligt sind“.
Ziel der Bildung für alle rückt in weite Ferne
Bei den derzeitigen Raten werde man möglicherweise niemals allen Lernenden den Abschluss der Sekundarschule ermöglichen können, heißt es weiter im Weltbildungsbericht. Demnach würde es bis zum Jahr 2105 dauern, ehe eine Abschlussquote von 95 Prozent für die obere Sekundarstufe erreicht wäre. Zugleich zeige sich, dass langfristige Investitionen, inklusive Bildungspolitik und die gezielte Unterstützung benachteiligter Gruppen den Zugang zu Bildung und den Bildungserfolg insgesamt verbessern können.
Der Bericht wirft auch einen Blick auf die Bildungssituation in Deutschland. Demnach verfügten im Jahr 2024 gut drei Viertel (76 Prozent) der Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren über mindestens einen Abschluss der oberen Sekundarstufe. Das war im Vergleich zum Jahr 2000 ein Anstieg von gut einem Prozentpunkt. Zugleich hat sich aber der Abstand zum EU-Durchschnitt von vier Prozentpunkten im Jahr 2002 auf neun Punkte im Jahr 2024 vergrößert. Unter den fünf bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedstaaten weise Deutschland mittlerweile den niedrigsten Anteil an Jugendlichen mit mindestens einem Abschluss der oberen Sekundarstufe auf.
VBE: Bildungserfolg darf nicht vom Elternhaus abhängen
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) forderte als Reaktion auf den Bericht „konkrete Konsequenzen“ durch die Politik. „Wer Bildungserfolg nicht länger vom Elternhaus abhängig machen will, muss den Schulen endlich die Mittel und das Personal geben, die sie dafür benötigen. Jede Verzögerung verschärft die Ungleichheit“, sagte der Bundesvorsitzende Tomi Neckov.
Mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen. Die Unesco koordiniert die Umsetzung des Ziels, evaluiert die Fortschritte und veröffentlicht jährlich den Weltbildungsbericht.