Bochum - Stürme entwickeln laut Weltrisikobericht eine zunehmend zerstörerische Kraft, vor allem tropische Wirbelstürme. Während die Gesamtzahl der tropischen Wirbelstürme relativ stabil geblieben sei, habe ihre Intensität aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels zugenommen, erklärt die Klimawissenschaftlerin Friederike Otto vom Centre for Environmental Policy am Imperial College London in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.
Mit steigender Konzentration von Treibhausgasen erwärme sich die Atmosphäre insgesamt, was wiederum zu höheren Meeresoberflächentemperaturen führe, hieß es. Dies verschaffe einem tropischen Wirbelsturm mehr Energie. Der jährlich erscheinende Weltrisikobericht wird vom Bündnis Entwicklung Hilft und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum herausgegeben.
Ungleiche Verteilung von Sturmrisiken
Die Fachleute verweisen auf die ungleiche Verteilung von Sturmrisiken und Schadenspotenzial unabhängig von der Klimaentwicklung. Allein durch die rasante Urbanisierung exponierter Küstenräume seien diese Gebiete besonders gefährdet. Wie groß das Risiko für eine Katastrophe sei, hänge jedoch auch mit der gesellschaftlichen Vulnerabilität zusammen.
Entscheidend für das Ausmaß einer Katastrophe seien wirksame Frühwarnsysteme, soziale Sicherungssysteme und Finanzmittel. Frühwarnsysteme, Evakuierungsverfahren, Katastrophenschutzübungen und relativ gut koordinierte lokale Behörden ermöglichten es beispielsweise Kuba und der Dominikanischen Republik, selbst starke Hurrikans mit vergleichsweise geringen Opferzahlen und begrenzten Schäden zu überstehen. Ein Sturm, der anderswo beherrschbar wäre, habe hingegen in Haiti oft katastrophale Folgen.
Tropische Wirbelstürme: Konzentration auf wenige Länder
Der Weltrisikoindex bildet laut dem Bericht mit Erdbeben, Tsunamis, Küstenüberschwemmungen, Flusshochwasser, Stürmen, Dürren und dem Meeresspiegelanstieg sieben Gefährdungsarten ab. Keine davon sei geografisch so konzentriert wie tropische Wirbelstürme: Von 193 Staaten haben demnach 123 keinerlei Sturmexposition. Die übrigen 70 Staaten liegen in drei klar abgrenzbaren Regionen: dem Westpazifik, dem Nordatlantik, einschließlich der Karibik, und dem Indischen Ozean. Zehn Länder seien Stürmen besonders ausgesetzt. An der Spitze stehen laut dem Bericht die Philippinen, Japan, China, Südkorea, Mexiko, Mauritius, Madagaskar, die USA, Mikronesien und Australien.
Die Fachleute äußern sich zudem alarmiert über eine „Erosion der internationalen Handlungsfähigkeit“. Klimabedingte Extremwetterereignisse nähmen zu, während sich die finanziellen und politischen Grundlagen internationaler Kooperation auflösten. Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe verlören insbesondere in Europa und den USA an politischer Unterstützung.
Strukturelle Schwachstellen in Deutschland
Deutschland steht aus Sicht der Autorinnen und Autoren exemplarisch für eine große Gruppe von Ländern mit moderatem klimabedingtem Katastrophenrisiko. Zugleich verwiesen sie auf strukturelle Schwachstellen bei den Anpassungskapazitäten, „die sich durch wachsenden Investitionsbedarf und alternde Infrastruktur langsam aber stetig verschlechtern“.