UN rufen zu Deeskalation in äthiopischer Region Tigray auf

Die äthiopische Tigray-Region war vor wenigen Jahren Schauplatz eines brutalen Krieges. Zuletzt nahmen die Spannungen wieder zu. Nun erklärte die Regionalregierung, sie befinde sich im "Verteidigungskrieg".

Nairobi/Addis Abeba - Nach der Zuspitzung der Lage in der äthiopischen Region Tigray hat UN-Generalsekretär António Guterres zu größtmöglicher Zurückhaltung aufgerufen. Die Spannungen müssten sofort abgebaut und Zivilistinnen und Zivilisten geschützt werden, forderte er am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Der sichere Zugang für humanitäre Hilfe müsse zudem garantiert und jegliche Handlungen sollten vermieden werden, die zu einer Ausweitung des Konflikts führen könnten.

In der Nordäthiopischen Region Tigray sind vier Jahre nach Ende des letzten Krieges nach monatelangen Spannungen aktive Kämpfe an mehreren Fronten ausgebrochen. Die Parteien werfen sich gegenseitig vor, den Angriff gestartet zu haben. Alle Flüge in die Region sind ausgesetzt. Zur Deeskalation rief auch der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, auf und äußerte sich besonders besorgt über die Ausweitung des Konflikts auch auf die Region Afar.

Krieg von 2020 bis 2022 mit Hunderttausenden Opfern

Der US-Botschafter in Äthiopien, Ervin Massinga, erklärte, er sei „enttäuscht“, dass die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPFL) eine „großangelegte Offensive“ gestartet habe. Der „aussichtslose Kampf“ nütze der Bevölkerung nichts. Politischer Dialog sei notwendig, sowie eine Rückkehr zum Pretoria-Abkommen, das den bluten Krieg in Tigray von 2020 bis 2022 beendete, bei dem Schätzungen zufolge Hunderttausende Menschen getötet wurden.

Man befinde sich in einem „Verteidigungskampf“, erklärte die Regionalregierung in Tigray. Die Zentralregierung unter Ministerpräsident Abiy Ahmed äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den Entwicklungen. Getachew Reda, ehemaliger Sprecher der TPLF und inzwischen Abiys Berater für ostafrikanische Angelegenheiten, warf jedoch der TPLF vor, Stellungen der Armee in den an Tigray angrenzenden Regionen Afar und Amhara angegriffen zu haben.

Vor wenigen Monaten hatte die TPLF erklärt, die vom Pretoria-Abkommen eingesetzte Übergangsregierung abzulösen und die Kontrolle wieder selbst zu übernehmen. Seitdem gab es immer wieder tödliche Drohenangriffe durch die äthiopische Armee. Am Sonntag hatte sich die TPLF mit sechs weiteren bewaffneten Oppositionsgruppen zur einer Allianz zusammengeschlossen, deren Ziel der Sturz der Regierung von Präsident Abiy ist.

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