Frauenrechtlerin Fremberg fordert Ende der Zusammenarbeit mit Taliban

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan haben Frauen kaum noch Rechte. Sara Fremberg von der Frauenrechtsorganisation "medica mondiale" spricht über deren Lage und warum sie eine Zusammenarbeit mit den Taliban problematisch findet.

Berlin - Die Sprecherin der Frauenrechtsorganisation „medica mondiale“, Sara Fremberg, kritisiert die Zusammenarbeit der deutschen Bundesregierung mit Vertretern des Taliban-Regimes bei Abschiebungen. „Die anhaltende politische Normalisierung der Taliban muss aufhören“, sagte Fremberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei es „höchst problematisch“, dass die deutsche Bundesregierung mit Vertretern der Taliban spreche, um Abschiebungen nach Afghanistan zu ermöglichen. „Dort werden Menschen verfolgt und gefoltert. Das ist nicht nur per se menschenrechtswidrig, sondern die diesbezüglichen Vereinbarungen mit den Taliban gehen zulasten von Menschen- und Frauenrechten“, sagte Fremberg.

Die Taliban-Präsenz in Botschaften und Konsulaten brächte Menschen in Lebensgefahr: „Wir hören von den afghanischen Kolleginnen, wie schrecklich absurd es ist, dass sie vor den Taliban nach Deutschland geflohen sind und jetzt hier zu Taliban-Vertretern gehen müssen, um ihre Papiere bearbeiten zu lassen“, sagte Fremberg. Als die Taliban 2021 die Macht in Afghanistan übernahmen, begannen sie laut Fremberg damit, Mädchen und Frauen zu entrechten. „Frauen dürfen sich nicht frei bewegen und Mädchen keine weiterführenden Schulen besuchen.“

„Medizinische Versorgung ist ihnen weitgehend verwehrt, weil Frauen oft nicht von männlichen Ärzten behandelt werden und es gleichzeitig kaum weibliches Personal gibt, weil Ausbildungen als Pflegerinnen oder Hebammen für Frauen verboten sind“, sagte die Bereichsleiterin für Politik und Kommunikation von „medica mondiale“. Viele Frauen würden dadurch bei Schwangerschaften sterben. Fremberg zufolge können in Afghanistan Mädchen zwangsverheiratet und Frauen ausgepeitscht werden. Diese Gesetze seien so systematisch, dass es sich um „Gender-Apartheid“ handele.

Afghanische Frauenrechtlerinnen setzen Arbeit im Exil fort

Bis zur Machtübernahme der Taliban hat sich „medica Afghanistan“ laut Fremberg vor Ort für Frauenrechte eingesetzt. 2021 hätten die Mitarbeiterinnen jedoch nach Deutschland fliehen müssen, weil sie als offen praktizierende Frauenrechtlerinnen in akuter Lebensgefahr gewesen seien. Im Exil setzten viele von ihnen den Angaben zufolge ihre Arbeit fort, etwa indem sie dafür lobbyieren, Gender-Apartheid offiziell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuerkennen. Ebenso würden sie sich dafür einsetzen, dass die Taliban nach dem Völkerrecht verfolgt werden. Die deutschen Kürzungen in der Entwicklungsarbeit hätten schwerwiegende Folgen in Afghanistan, dabei müssten Frauen- und Menschenrechtsorganisationen finanziert und politisch unterstützt werden.

Die ehemaligen Mitarbeiterinnen von „medica Afghanistan“, die nach Deutschland geflohen sind, werden in der Ausstellung „ 'Weil wir Frauen sind.' Afghanische Aktivistinnen erzählen von Mut und Widerstand“ porträtiert. Von Montag an wird die Ausstellung in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin zu sehen sein.

Die Ausstellung "Weil wir Frauen sind: Afghanische Aktivistinnen erzählen von Mut und Widerstand" wird vom 28. September bis 15. November zu sehen sein. Die Ausstellungseröffnung findet am 28.09.2026 um 19 Uhr statt. Um Anmeldung wird gebeten: https://s.epd.de/3zhi Die multimediale Ausstellung ist mit Fotos, Videos, Audios und Interviews vor Ort und digital erlebbar: https://s.epd.de/399i

Orte: Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Schumannstr. 8 10117 Berlin

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