Gescheiterte Hinrichtung in den USA sorgt für Entsetzen

Die Hinrichtung der 50-jährigen Christa Pike in den USA ist gescheitert. Die Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte die Abschaffung der Todesstrafe in den USA.

Washington/Genf - In den USA ist die umstrittene Hinrichtung der 50-jährigen Christa Pike gescheitert. Ihre Anwälte erklärten am Donnerstag laut der Zeitung „The Tennessean“, Pike sei nun in einem Krankenhaus. Sie hätten keine Kenntnis über ihren Gesundheitszustand. Die Frau, die im Alter von 18 Jahren eine Kollegin getötet hatte, sollte im Bundesstaat Tennessee mit einer Giftspritze hingerichtet werden.

Menschenrechtler zeigten sich schockiert. „Der Fall von Christa Pike zeigt erneut, dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt und auch die Giftspritze eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe darstellt“, erklärte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland.

„Etabliertes Hinrichtungsprotokoll eingehalten“

Die Justizvollzugsbehörde von Tennessee äußerte sich zunächst nicht im Detail zu dem Vorgang. Auf ihrer Webseite teilte die Behörde mit, sie habe nach dem „etablierten Hinrichtungsprotokoll“ gehandelt. Die eingesetzte „tödliche Injektionschemikalie“ sei in der Vergangenheit effektiv gewesen. Christa Pike sei in eine „medizinische Einrichtung“ transportiert worden.

Pike sollte als erste Frau seit mehr als 200 Jahren in Tennessee hingerichtet werden. Die Hinrichtung hatte wenige Stunden nach einem Urteil des Obersten Gerichts der USA begonnen. Dieses hatte mit sechs zu drei Stimmen ein untergeordnetes Urteil vom Mittwochvormittag aufgehoben, wonach „im Interesse der Gerechtigkeit“ das Urteil gegen Pike zu prüfen sei.

Türk: „Physisches und mentales Leiden verlängert“

UN-Hochkommissar Volker Türk erklärte, das verlängerte physische und mentale Leiden der Frau sei entsetzlich und grausam. Zudem gebe es ungeklärte Fragen hinsichtlich eines fairen Verfahrens. Türk forderte ein Ende der Todesstrafe in den USA und verlangte von den Behörden in Tennessee, keine weiteren Exekutionsversuche zu starten.

Der Fernsehsender NBC zitierte den Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, mit den Worten, eine unabhängige Kommission werde untersuchen, „was genau passiert ist“. Im Jahr 2026 werde Tennessee keine Hinrichtungen mehr durchführen. Bereits im Mai 2026 wurde in Tennessee eine Hinrichtung abgebrochen, als die Justizbeamten bei dem Verurteilten keine passende Vene finden konnten.

Pike war zur Tatzeit 18 Jahre alt

Pike hatte 1995 im Alter von 18 Jahren ihre ein Jahr ältere Arbeitskollegin Colleen Slemmer getötet. Eifersucht soll ein Motiv gewesen sein. Ihr Mittäter Tadaryl Shipp war 17 Jahre alt und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Menschenrechtler protestierten wegen des jugendlichen Alters von Pike zur Tatzeit gegen die Vollstreckung des Todesurteils. Pike leide an posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie sei in ihrer Kindheit misshandelt und mehrmals vergewaltigt worden.

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