Bonn - Die Hilfsorganisation Care Deutschland fordert eine Umsetzung des vor einem Jahr vereinbarten Waffenstillstandsabkommens für den Gaza-Streifen. „Noch immer sterben Menschen bei Angriffen. Noch immer leben Familien in provisorischen Zelten ohne Perspektive auf Rückkehr in ihre Häuser, falls sie denn noch stehen“, sagte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, am Donnerstag in Bonn anlässlich des am 10. Oktober 2025 vereinbarten Abkommens.
Zugleich werde der Raum, der den Menschen im Gaza-Streifen zum Leben bleibe, immer kleiner. „Die sogenannte gelbe Linie, die das von der israelischen Armee kontrollierte Sperrgebiet vom übrigen Gaza-Streifen trennt, ist weiter Richtung Meer gerückt“, erklärte Zentel. „Familien mussten erneut fliehen.“ Mittlerweile drängten sich nahezu alle Bewohner des Gaza-Streifens auf weniger als 40 Prozent des ursprünglichen Gebietes.
Care: Humanitäre Hilfe kommt nicht verlässlich an
Auch ein Jahr nach dem Abkommen gelange die „humanitäre Hilfe noch immer nicht verlässlich und in ausreichendem Umfang nach Gaza“, betonte Zentel. Einschränkungen und Zugangsbeschränkungen erschwerten weiterhin die Versorgung. „Ein Waffenstillstand, in dem Menschen weiterhin durch Angriffe sterben und immer noch darum kämpfen müssen, genug zu essen, sauberes Wasser oder medizinische Versorgung zu bekommen, verdient seinen Namen nicht.“
Care Deutschland verurteile den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 sowie jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung durch die Konfliktparteien zutiefst, hieß es. Zugleich fordere man die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch alle Konfliktparteien und den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe nach und in Gaza sowie die Evakuierung von Kranken und Verletzten.
Zentel appellierte an die Bundesregierung, auf ein Ende des Leids in Gaza hinzuwirken: „Jetzt braucht es entschlossenen diplomatischen Druck für den Schutz der Zivilbevölkerung, die Öffnung aller Hilfswege und die Rechenschaftspflicht für Verstöße gegen das Völkerrecht.“
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