Friedensnobelpreis für südafrikanische Juristin Navi Pillay

Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navi Pillay geehrt. Damit will das Nobelkomitee auch ein Zeichen setzen gegen Angriffe auf das internationale Rechtssystem insgesamt.

Frankfurt a.M., Oslo - Die südafrikanische Juristin und Völkerrechtlerin Navanethem „Navi“ Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Das teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit. Der Komiteevorsitzende Jorgen Watne Frydnes würdigte Pillay, die von 2008 bis 2014 UN-Menschenrechtskommissarin war, für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid. Das Engagement der 85 Jahren alten Pillay für das Recht sowie ihr „fester moralischer Kompass“ seien Konstanten ihrer langen Karriere.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees verwies auf einen „roten Faden“, der sich von Pillays früherem Engagement wie der Verteidigung des südafrikanischen Freiheitskämpfers Nelson Mandela bis hin zu ihrer Tätigkeit als Richterin in internationalen Gerichtsverfahren ziehe. Sie habe den Geltungsbereich und die Tragweite des Völkerrechts „erheblich erweitert“, unterstrich der Vorsitzende des Nobelkomitees.

Geboren in einem Armenviertel

Pillay wurde am 23. September 1941 in einem Armenviertel der südafrikanischen Hafenmetropole Durban geboren und wuchs dort mit drei Schwestern in einer tamilisch-indischstämmigen Familie auf. Als Mitglied der tamilischen Gemeinde wurde sie nicht nur wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, sondern auch als Angehörige einer Minderheit innerhalb der indischen Gemeinschaft.

Nach ihrem Jurastudium hatte sie als Nichtweiße keine Aussicht auf eine Anstellung in einem Anwaltsbüro, weshalb sie 1967 ihre eigene Kanzlei in der Provinz Natal eröffnete. Sie machte sich einen Namen als Verteidigerin von Apartheid-Gegnern und geriet selbst immer wieder ins Visier der Behörden des rassistischen Regimes.

Völkerrechtssystem unter Druck

1995 wurde sie als erste nicht weiße Richterin an den Obersten Gerichtshof Südafrikas berufen. Noch im gleichen Jahr wurde sie Teil des Internationalen Straftribunals für Ruanda, an dem der Völkermord von 1994 aufgearbeitet wurde. 2003 wechselte Pillay nach Den Haag zum neu eingerichteten Internationalen Strafgerichtshof. 2008 wurde sie zur UN-Hochkommissarin für Menschenrechte gewählt, was sie bis 2014 blieb.

Das Nobelkomitee verwies zur Begründung der Wahl Pillays auch auf die zunehmende Zahl von Kriegen und Konflikten sowie eine Infragestellung des Völkerrechts. „Das Völkerrechtssystem ist unter enormen Druck, und seine Institutionen werden angegriffen“, sagte Frydnes. In einer Zeit, in der Richter sanktioniert und ihre Institutionen angegriffen würden, brauche es Menschen mit Mut, Weitsicht und Entschlossenheit, sagte Frydnes. Diese Eigenschaften habe Navi Pillay als Richterin unter Beweis gestellt. Sie habe Regierungen und Staatenführer zur Rechenschaft gezogen und den Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben.

Den Vereinten Nationen weiter verbunden

Die Bundesregierung gratulierte der südafrikanischen Juristin. Pillay habe „über Jahrzehnte hinweg mit großem persönlichem Engagement und beeindruckender Beharrlichkeit für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Durchsetzung des Völkerrechts gekämpft“, erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. Amnesty International würdigte die Entscheidung des Nobelkomitees als klares Signal zur Stärkung der weltweiten menschenrechtsbasierten Ordnung.

Pillay blieb den Vereinten Nationen auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 2014 verbunden. So leitete sie die vom UN-Menschenrechtsrat eingerichtete Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten, von der sie sich Ende 2025 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog.

Zögern und fehlende Entscheidungen angesichts von Unrecht bringen sie zur Weißglut, was sie deutlich äußert. So sagte sie zum Ende ihrer Amtszeit als UN-Menschenrechtskommissarin über die Unfähigkeit des UN-Sicherheitsrates, Maßnahmen gegen den Syrien-Krieg zu ergreifen: „Die Mörder, Zerstörer und Folterer in Syrien wurden durch die internationale Untätigkeit gestärkt und ermutigt.“

Wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Frieden

Der Friedensnobelpreis gilt als die weltweit wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Abrüstung, Friedenssicherung und Menschenrechte. Gestiftet wurde der Preis vom schwedischen Unternehmer und Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896). Er ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen (etwas über eine Million Euro) dotiert. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado ausgezeichnet.

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