Potsdam (epd). Der Ausstieg aus fossilen Energien bringt einer Studie zufolge weltweit betrachtet finanziell mehr Vorteile als Nachteile. Länder, die durch den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle stark benachteiligt seien, stellten nur sechs Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, erklärte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Donnerstag. Länder in Afrika könnten hingegen von ihrem enormen Solarenergie-Potenzial profitieren. Um die Eindämmung des Klimawandels zu fördern, seien „Paketdeals“ zum Interessenausgleich sinnvoll.
Die Menschheit müsse ein kollektives Interesse an Klimaschutz haben, hieß es in der PIK-Studie. Die je nach Land unterschiedlichen Gewinne und Verluste dadurch seien jedoch ein Problem, das genau verstanden werden müsse. Bei zögerlichen Ländern sollten Zugeständnisse beim Klimaschutz mit Zusicherungen bei Handel oder bei Forschung und Entwicklung gekoppelt oder auch Vermögensnachteile mit Finanztransfers ausgeglichen werden.
Moderate Auswirkungen für EU
Für die Untersuchung sei für 169 Staaten ausgewertet worden, wie der Kampf gegen die Erderhitzung auf Vermögenswerte wirke, hieß es. Die Länder mit potenziell besonders ausgeprägten Vermögensvorteilen durch Klimaschutz verfügten derzeit nur über 13 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. 81 Prozent der Wirtschaftsleistung entfielen auf das „Cluster“ der 69 „Volkswirtschaften mit moderaten Auswirkungen“, zu dem unter anderem die EU, China und die USA gehören. Details zu weiteren Ländern wurden nicht genannt.
Der von dem Forschungsteam zusammengetragene Datensatz zeige, wie Klimapolitik auf vierfache Weise die nationalen Vermögenswerte beeinflusse, hieß es. Sie verringere die Nachfrage nach fossilen Energien und schmälere damit tendenziell Einnahmen aus Öl, Gas und Kohle. Zugleich würden klimabedingte Schäden für die Volkswirtschaft verringert und die Entwicklung von Solar- und Windenergie lukrativ gemacht. Auch der Wert der Kapazitäten eines Landes steige, Kohlendioxid über Wälder und die Bewirtschaftung von Naturflächen aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern.
Edenhofer: Klimapolitik sichert Wohlstand
Potenziell abgeneigt gegen ambitionierte Maßnahmen seien der Studie zufolge 19 von fossilen Brennstoffen abhängige Länder, hieß es. Ausgeprägtes Interesse an einer schnellen Klimawende hätten dagegen 51 Länder im globalen Süden, bei denen andernfalls die Klimaschäden besonders groß würden. Auch 13 Länder „mit hohem Potenzial für erneuerbare Energien“, in der Mehrzahl in Afrika, und 17 Länder „mit hoher Kohlenstoffbindungskapazität“ zählten dazu.
PIK-Direktor Ottmar Edenhofer, Co-Autor der Studie, erklärte, mit Blick auf den aktuellen Gegenwind gegen eine engagierte Klimapolitik sei die Erkenntnis wichtig, dass Klimapolitik nicht nur bestimmtes Vermögen entwerte, „nämlich das der Anbieter von fossilen Energieträgern“. Die Studie zeige auch recht präzise, wie zugleich neue Vermögenswerte aufgebaut würden. Insgesamt werde durch Klimapolitik der Kapitalstock der Volkswirtschaften neu und nachhaltig bewertet und so der langfristige Wohlstand abgesichert.
