Schuldspruch im Massenmordprozess gegen kenianischen Sektenführer

Nachdem im Juli 2023 hunderte Leichen in Gräbern im Osten Kenias gefunden wurden, wurde nun der Sektenführer Paul Mackenzie wegen Massenmordes verurteilt. Das Strafmaß soll am 6. November verkündet werden.

Nairobi - Ein kenianisches Gericht hat den Sektenführer Paul Mackenzie des Massenmordes an 190 Kindern und einem Erwachsenen für schuldig gesprochen. Wie das Gericht in Mombasa am Montag erklärte, hatte Mackenzie über Jahre Anhänger dazu bewegt, sich zu Tode zu hungern, um schneller in den Himmel zu kommen. Die Kinder sollten zuerst sterben, dann die Frauen, dann die Männer. Die 28 Mitangeklagten wurden ebenfalls schuldig gesprochen. Das Strafmaß soll am 6. November verkündet werden.

Der leitende Staatsanwaltschaft Renson Ingonga zeigte sich in einem Statement am Dienstagmorgen zuversichtlich, dass diese ersten Verurteilungen einen Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien darstellen. Er sprach vom „schlimmsten Massaker in der Geschichte Kenias“.

Stundenlange Urteilsverlesung

Mackenzie habe seine Anhänger und ihre Kinder manipuliert, indoktriniert und radikalisiert, erklärte Richterin Diana Kavedza-Mochache in ihrer stundenlangen Verlesung des Urteils. Der Großteil der Opfer war jünger als zehn Jahre alt. Laut Aussagen der forensischen Experten zeigten viele der untersuchten menschlichen Überreste Zeichen von Verhungern, von etlichen waren bereits nur noch Knochen übrig.

Entdeckt wurden die Toten im Juli 2023, als ein Kind aus einem Wald nahe des kenianischen Küstenorts Malindi gerettet wurde und dessen Aussagen die Polizei zu Gräbern führte. Die Behörden bargen Überreste von mehr als 400 Menschen. Seitdem wurden noch mehrfach Gräber gefunden. Nur ein Teil der Toten konnte durch DNA-Tests oder spezifische Zeugenaussagen identifiziert werden. Die Aushungerung der Menschen stellt laut Gericht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Wachleute von Mackenzie rund um die 12 Dörfer der Siedlung des pseudo-religiösen Kultes im Shakahola-Wald sorgten dafür, dass Flüchtende zurückgebracht und gewaltsam bestraft wurden. In Shakahola herrschte ein Gewaltregime unter Mackenzie, so die Richterin. Gegen Mackenzie und seine Mitangeklagten laufen weitere Gerichtsverfahren, unter anderem wegen Terrorismus.

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