Berlin (epd). Für die Menschen in der umkämpften Stadt Tais im Jemen wird die Lage laut Diakonie Katastrophenhilfe von Tag zu Tag katastrophaler. Der bewaffnete Konflikt zwischen Huthi-Miliz und Regierung habe seit Anfang August schon rund 250.000 Menschen zur Flucht gezwungen, erklärte das evangelische Hilfswerk am Freitag unter Berufung auf UN-Angaben. Zehntausende Vertriebene hätten in den vergangenen Monaten in Tais Zuflucht gesucht. Doch Hilfsorganisationen seien kaum noch in der Lage, die rund 600.000 Menschen dort zu erreichen. Zugleich gingen die Vorräte zur Neige.
„In 10 von 16 Stadtbezirken herrscht eine Ernährungskrise. Die Menschen brauchen dringend Zugang zu humanitärer Hilfe“, erklärte Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Die Frage sei derzeit auch weniger, ob Tais in den kommenden Stunden oder Tagen erobert werde, sondern wie. „Ein Häuserkampf wäre ein Albtraum für die dort eingeschlossenen Menschen. Alle Konfliktparteien müssen das humanitäre Völkerrecht achten und die Zivilbevölkerung schützen.“
Zu wenig Geld für Hilfe
Die Huthi-Miliz, die vom Iran Unterstützung erhält, konnte nach Medienberichten in jüngster Zeit in Jemens Küstenregion vorrücken und die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge von Bab al Mandab erringen, die den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbindet. Die jemenitische Regierung bezieht in dem jahrelangen Konflikt Hilfe von einer Koalition, an deren Spitze Saudi-Arabien steht.
Zugleich sei die humanitäre Hilfe für die Menschen chronisch unterfinanziert, erklärte die Diakonie Katastrophenhilfe. Die internationale Gemeinschaft habe erst 23 Prozent der von den UN benötigten Gelder in diesem Jahr bereitgestellt.
