07.11.2018

Amerikas liebster Diktator

Ihre großzügige Hilfe für Uganda haben westliche Geberländer lange damit begründet, dass Präsident Yoweri Museveni das Land wirtschaftlich voranbringe und die Region stabilisiere. In Wahrheit war er stets ein brutaler Autokrat und schürte Gewalt in den Nachbarländern, schreibt Helen C. Epstein.

Helen C. Epstein: Another Fine Mess. America, Uganda, and the War on Terror. Columbia Global Reports, New York 2017, 262 Seiten, ca. 13 Euro
Vom heutigen Uganda zeichnet das Buch ein düsteres Bild. Epstein blickt zurück auf die grausame Herrschaft von Yoweri Musevenis Vorgängern und auf den Bürgerkrieg, der diesen 1986 an die Macht gebracht hat. Sie schildert, dass er von Anfang an und bis heute mit Hilfe von Gewalt regiert und Wahlen immer wieder gefälscht hat. Sie berichtet von geheimen Folterkellern und von mutigen Oppositionspolitikern, die rätselhaften Morden oder Unfällen zum Opfer fallen. Und sie wirft den USA vor, dies alles gedeckt und beschönigt zu haben, weil sie zu Beginn der 1990er Jahre einen neuen Verbündeten in Afrika brauchten: zunächst gegen das islamistische Regime im Sudan, dann gegen islamistische Terrorgruppen wie al-Shabaab in Somalia.

Diese Politik, so Epstein, war für Ugandas Nachbarländer verhängnisvoll. Museveni habe seit 1990 mit Wissen der USA den Angriff der Tutsi-Rebellen, die in Uganda Exil gefunden hatten, auf Ruanda unterstützt und so die Krise ausgelöst, die zum Völkermord von 1994 führte. Er habe in Zaire – heute Demokratische Republik Kongo – 1997 den Sturz des Diktators Mobutu betrieben und so die Gewaltspirale dort in Gang gesetzt.

Die Autorin ist Expertin für öffentliche Gesundheit und hat in Uganda und dessen Nachbarländern die Aids-Bekämpfung unterstützt. Ihr Buch ist schön geschrieben und voller anschaulicher Details. Eindrücklich verschränkt sie die Lebensgeschichte eines befreundeten Uganders, der 1995 wegen eines kritischen Artikels in die USA ins Exil gehen musste, mit der politischen Geschichte des Landes.

Ihre These, dass die USA und andere Geber über Repression und Wahlfälschung in Uganda hinwegsehen, ist überzeugend. Besonders stark sind die Passagen, in denen sie Interna der US-Politik gegenüber Uganda schildert. Zum Beispiel setzten US-Botschafter zu Beginn der 1990er Jahre Museveni unter Druck, das Land zu demokratisieren – bis sie vom Weißen Haus zurückgepfiffen wurden, als Museveni Unterstützung gegen den Sudan zugesagt hatte.

Doch das Buch ist auch recht einseitig. Epstein fragt nicht, unter welchen Zwängen Museveni selbst handelte. Sie ignoriert, dass er mit gutem Grund Entwicklungen im Kongo und im Sudan als Bedrohungen für den jungen Frieden in Uganda werten musste. Sie zeichnet die soziale Lage in Uganda als desolat, ohne sie mit der Zeit vor Museveni zu vergleichen. Manche Urteile sind eher Spekulation – zum Beispiel, dass Museveni den Terror der Lord’s Resistance Army in Norduganda nie beenden wollte. Und sie neigt dazu, Entscheidungen in Afrika starken Männern und dem Einfluss äußerer Mächte zuzuschreiben; beim Völkermord in Ruanda ist das besonders irritierend.

Kurz: Epstein liefert eine überzeugende, scharfe Kritik an der Afrikapolitik der USA. Es rückt zu Recht in den Blick, dass Museveni autokratisch regiert. Doch statt die dahinter wirkende Dynamik der Konflikte und Kriege in Ostafrika zu entwirren, sieht sie in Museveni die Quelle fast aller Übel.

 

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