"Populistische Staatschefs passen nicht ins 21. Jahrhundert"

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Wir fragen Menschen aus der Szene, was sie bewegt und was sie wütend macht. Dieses Mal: Der Politikwissenschaftler Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik.

Was treibt Sie an, was macht Sie wütend?
Ich beobachte mehr und mehr populistische Staatschefs, die wie etwa Putin, Erdogan, Orbán und nun Trump klassische Machtpolitik wie im 19. Jahrhundert betreiben. Wir leben aber im 21. Jahrhundert: Gegenseitige Abhängigkeiten sind größer geworden und können nur durch Zusammenarbeit friedlich gelöst werden. Nationalismus im Zeitalter globaler Interdepedenzen ist gefährlich. Es treibt mich an, nach Lösungen zu suchen – am produktivsten in internationalen, interdisziplinären Teams – das schafft Weltsicht und schließt vielerlei Perspektiven ein. 

Wen würden Sie mit dem alternativen Nobelpreis auszeichnen?
Ich würde einen Preis für die Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris und die Agenda 2030 ausschreiben. Den bekämen die Bürgermeister der ersten fünf Städte, die es schaffen, klimaneutral zu wirtschaften und  dabei Armut und Ausgrenzung zu beseitigen.

Mit wem würden Sie gerne einmal streiten?
Mit Immanuel Kant, und zwar über die Weltbürgergesellschaft im 21. Jahrhundert. Wie lässt sich seine Idee vom „Ewigen Frieden“ unter unseren heutigen Bedingungen umsetzen?

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz, was ist Ihnen besonders gelungen?
Ich bin stolz darauf, dass es uns gelungen ist, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik zu einem weltweit sichtbaren Forschungs- und Beratungsinstitut zu machen, dessen Analysen zwar nicht immer beherzigt, aber durchaus gehört werden. Außerdem bin ich stolz, Mitbegründer des Käthe-Hamburger Kollegs für Globale Kooperationsforschung zu sein – dort arbeiten internationale und interdisziplinäre Forscherteams daran, die Bedingungen unter denen internationale Zusammenarbeit gelingt, zu entschlüsseln.

Was ist schief gegangen und wieso?
Geschichtlich folgten wichtige gesellschaftliche Veränderungen zum Guten bisher in der Regel auf tiefgreifende Krisen, zum Beispiel der Wohlfahrtsstaat nach eskalierenden Klassenkämpfen oder die Gründung der Europäischen Union und der Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Meine große Hoffnung war immer, dass wir uns mit Hilfe von Nachdenken und Prävention weitere existenzielle Krisen auf dem Weg zu einer besseren Zukunft in der entstehenden Weltgesellschaft ersparen können. Inzwischen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob das gelingen kann. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

 

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erschienen in Ausgabe 2 / 2017: Europa: Die zaudernde Weltmacht
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