Palmöl aus Indonesien

Sieht schön grün aus, verbraucht aber auch viel Wasser - eine Palmöplantage in der Provinz Jawa Barat in Indonesien.

Palmöl aus Indonesien

Durstige Ölpalmen

Es steckt in Kosmetika, Medikamenten und im Treibstoff: Palmöl ist das weltweit beliebteste Pflanzenöl – und das umstrittenste. Laut einer neuen Studie graben Plantagen in Indonesien den Anwohnern das Wasser ab. Das EU-Parlament fordert eine einheitliche Zertifizierung.

85 Prozent der globalen Palmölproduktion stammen aus Malaysia und Indonesien, in Indonesien bedecken die Plantagen rund elf Millionen Hektar Land. Die Europäische Union (EU) setzt auf Biokraftstoffe, denen Palmöl beigemischt wird, um ihre Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes zu erreichen. Die Importe in die EU haben in den vergangenen Jahren deshalb stark zugenommen.

Palmöl-Monokulturen sind häufig in der Kritik: Die Betreiber großer Plantagen missachteten die Landrechte von Anwohnern, bezahlten die Arbeiter schlecht und zerstörten Wälder und Moore, lauten die Vorwürfe. Ein Autorenteam vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik hat sich nun genauer angeschaut, wie der Anbau von Ölpalmen in Indonesien, genauer: in der Provinz Jambi auf Sumatra, den örtlichen Wasserhaushalt verändert.

Ihr Fazit: Ölpalmen belasten die lokalen Wasserkreisläufe stärker als andere dort verbreitete Anbaupflanzen wie Kautschukbäume. Seit in Jambi großflächig Plantagen angelegt wurden, trocknen Brunnen und  Bäche laut der Studie in der Trockenzeit häufiger aus, die Reisfelder der Bauern werden schlechter bewässert. Das gefährdet ihre Ernten. Die Dorfbewohner müssen ihren Bedarf aus weiter entfernten Flüssen decken oder abgefülltes Wasser kaufen. Die Ölpalme sei „gierig nach Wasser und Nähstoffen“, sagten sie den Wissenschaftlern.

Plantagen schädigen die Böden

Zugleich träten während der Regenzeit häufiger Überflutungen auf, was bei anderen Nutzpflanzen zu Ernteausfällen führt. Ursache dafür ist laut den DIE-Forschern die Verschlechterung und Erosion des Bodens, die die Plantagen mit sich bringen. Regenwasser laufe ab, statt zur Neubildung des Grundwassers beizutragen, Flüsse führten mehr Sedimente mit sich; das verringere die Wasserqualität.

Freiwillige Initiativen und Nachhaltigkeitsstandards wie der 2004 gegründete – und umstrittene – Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl schützten den Wasserhaushalt nur unzureichend, kritisieren die Wissenschaftler. Sie fordern die EU auf, für sämtliche Palmölprodukte verbindliche Standards einzuführen und die Nachhaltigkeitsstandards von Agrokraftstoffen besser zu überwachen.  

EU-Parlament gegen klimaschädliche Palmölproduktion

Beim EU-Parlament könnten die Wissenschaftler mit ihren Forderungen auf offene Ohren stoßen: Eine große Mehrheit der Abgeordneten vertritt in einer Resolution ebenfalls die Ansicht, dass freiwillige Zertifizierungssysteme nicht ausreichen und zudem für die Verbraucher verwirrend sind. Die Parlamentarier riefen die EU-Kommission dazu auf, Vorschläge zu erarbeiten, um die Rodung von Regenwäldern und Menschenrechtsverletzungen auf Palmöl-Plantagen zu beenden. Ab 2020 solle kein Palmöl mehr als Biosprit in der EU verwendet werden.

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