Prostitution
Warten auf Kunden: Sexarbeiterinnen vor dem Kandapara-Bordell im indischen Bezirk Tangail, das Sandra Hoyn im Jahr 2016 für ihre Fotoreportage besucht hat.
Prostitution

Zum Verkauf wie ein Stück Fleisch

Sollte Prostitution nicht längst verboten sein? Ja, sagen Frauen aus dem Süden. Der Streit droht die nächste Tagung der UN-Frauenrechtskommission zu belasten.

Ende Oktober 2019 schrieb die Direktorin von UN Women, Phumzile Mlambo-Ngcuka, einen offenen Brief an eine Koalition aus Frauenrechtsorganisationen, der viele Feministinnen in Erstaunen versetzte. Darin erklärte die südafrikanische Politikerin und Untergeneralsekretärin der Vereinten Nationen unmissverständlich, dass ihre UN-Behörde keine Partei ergreifen werde in der zunehmend heftiger geführten internationalen Debatte darüber, ob Prostitution legalisiert werden sollte oder nicht.

Mlambo-Ngcuka sprach auch den Streit über Begriffe im Zusammenhang mit der Prostitution an. Im Jahr 2013 hatte UN Women in einem inoffiziellen Memorandum UN-Behörden und nichtstaatliche Organisationen aufgefordert, die Begriffe „Prostituierte“ und „Prostitution“ durch „Sexarbeiterinnen“ und „Sexarbeit“ zu ersetzen. Außerdem forderte das Memorandum, „das Recht aller Sexarbeiterinnen, ihre Arbeit frei zu wählen oder sie aufzugeben und Zugang zu anderen Erwerbsmöglichkeiten zu haben“, anzuerkennen. Der Brief mit der neuen offiziellen Neutralitätserklärung von UN Women hat in beiden Lagern Bestürzung hervorgerufen. Auf der einen Seite betonen Gegner der Legalisierung, dass Menschen, die in die Prostitution und andere Formen von Zwangsarbeit verkauft werden, insbesondere in vielen Entwicklungsländern, meistens arm seien und keine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten hätten. „Nicht sie wählen die Prostitution; die Prostitution wählt sie“, bemerkte mir gegenüber einmal eine Aktivistin in Indien.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2020: Meinungs- und Pressefreiheit

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