Heft 2 / 2020Zum Archiv 2020
Meinungs- und Pressefreiheit
Während bei uns über eine angebliche Meinungsdiktatur gestritten wird, werden Journalisten im globalen Süden zensiert, eingesperrt oder ermordet. Politiker versuchen auch, Medien zu beeinflussen oder blockieren das Internet. Was bewirkt der Kampf gegen Hass im Netz und bedeutet Meinungsfreiheit wirklich, alles sagen zu dürfen?
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Meinungsfreiheit

Heftschwerpunkt

Meinungsfreiheit Der Staatschef meint ja bloß
Heißt Meinungsfreiheit, dass allen freisteht zu sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt? Wer sinnvolle öffentliche Debatten will, sollte es sich da nicht so einfach machen.
Korruption in Südafrika Die Unbestechlichen
Wie in Südafrika die Journalisten des amaBhungane-Zentrums zum Sturz von Präsident Jacob Zuma beigetragen haben.
Soziale Netzwerke Gegen den Hass im Netz
Über soziale Medien werden in Indien zunehmend Falschinformationen und Hetze gegen Minderheiten verbreitet. Die Regierung will das mit Regeln für die Plattformen eindämmen – doch hinter den Absendern stehen häufig die politischen Parteien selbst.
Entwicklungspolitik Hilfe für eine starke vierte Gewalt
Seit einem halben Jahrhundert werden Journalisten aus dem globalen Süden von deutschen Organisationen fortgebildet. Doch inzwischen umfasst die Medien­entwicklungszusammenarbeit mehr als Trainings.
Pressefreiheit Journalismus unter Druck
Die Arbeitsbedingungen für Journalisten sind schwierig: Recherchen zu Korruption oder Menschenrechtsverletzungen sind in vielen Ländern der Welt lebensgefährlich. Medienfeindliche Hetze vergiftet auch in Europa und den USA die Atmosphäre.
Journalistische Arbeit Kritische Fragen unerwünscht
Fünf freie Journalis­tinnen und Journalisten aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die regelmäßig für „welt-sichten“ schreiben, schildern, wie es bei ihnen um die Meinungs- und Pressefreiheit bestellt ist.
Internetblockaden Wenn Afrikas Machthaber den Stecker ziehen
Immer wieder schalten Regierungen in Afrika das Internet ab: Sie wollen Protestbewegungen verhindern oder angeblich die Verbreitung von Falschinformationen und Hass über soziale Medien vermeiden. Doch die Bürger finden Wege, die Blockaden zu umgehen.

Welt-Blicke

Bolivien Christus versus Pachamama
Bibeln im Präsidentenpalast und Hetze gegen die indigene Bevölkerung: Nach dem Rücktritt von Präsident Evo Morales versuchen in Bolivien rechte Katholiken, die alte Ordnung wiederherzustellen.
Bolivien Der Baumeister von El Alto
Vom einfachen Maurer zum international gefeierten Bauherrn: Freddy Mamani entwirft in seiner Heimatstadt El Alto vornehme Häuser, die niemand übersehen kann. In seinen spektakulären Bauten verarbeitet er die Kultur und Ikonografie seines Volkes, der Aymara.
Fischindustrie im Senegal Fisch für den Trog statt für den Teller
Im Senegal ist Fisch die Haupteiweißquelle, und die Verarbeitung schafft Tausende Jobs, vor allem für Frauen. Doch die sind in Gefahr, weil immer mehr Fabriken daraus Fischöl oder Fischmehl machen.
Sportwetten in Afrika Geld auf ferne Kicker setzen
Die Spiel- und Wettbranche wird im globalen Norden mehr und mehr reguliert, kann sich aber in Afrika südlich der Sahara nahezu ungehindert ausbreiten. Die sozialen Kosten sind hoch.
Prostitution Zum Verkauf wie ein Stück Fleisch
Sollte Prostitution nicht längst verboten sein? Ja, sagen Frauen aus dem Süden. Der Streit droht die nächste Tagung der UN-Frauenrechtskommission zu belasten.
Religion „Die Gefahr ist ein politisches Chaos im Irak“
Die USA haben den Chef der iranischen Revolutionsgarden Ghassam Suleimani getötet. Welche Folgen hat der Angriff für den Irak? Wie eng sind die Schiiten dort mit ihren Glaubensbrüdern im Iran verbunden?

Standpunkte

DfID Auf Kosten der Unabhängigkeit
Nach dem Brexit wird die britische Entwicklungspolitik stärker nationalen Interessen dienen, meint Tillmann Elliesen.
Strafgerichtshof Der kurze Arm der Weltjustiz
Der Internationale Strafgerichtshof könnte besser arbeiten, doch sein Kernproblem ist politisch, meint Bernd Ludermann.
Bezahlen per Handy Vor allem die Konzerne profitieren
Der mobile Bezahldienst M-Pesa trägt in Kenia nicht zur Reduzierung der Armut bei, sagt Sven Hilbig von Brot für die Welt.
Kohlekraft in Bangladesch „Das ist absoluter Irrsinn“
Anu Muhammad erklärt, welche Folgen der Bau eines Kohlekraftwerks für die bedrohten Mangrovenwälder hat.

Bewegungsmelder

Herausgeberkolumne Der freiwillige Ansatz hat weltweit versagt
Wer Menschenrechte verletzt, muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden, meint Bernd Nilles.

Journal

Faire Beschaffung Andere Länder sind viel weiter
Organisationen der Zivilgesellschaft fordern seit Jahren, dass die öffentliche Hand nur solche Waren einkaufen soll, die unter fairen Bedingungen produziert wurden. Es gibt einige wegweisende Modellprojekte, aber darüber hinaus hat sich wenig bewegt.
Klimaversicherung Ein Modell für die Zukunft?
Auf der Klimakonferenz im Dezember hat das Entwicklungsministerium den Natural Disaster Fund (NDF) Deutschland vorgestellt. Der Fonds soll Hilfsorganisationen und Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungsländern absichern, damit diese nach Wetterextremen Hilfe leisten können.
Schweizer Armee Mehr Engagement im Ausland?
Die Schweiz will mit den Vereinten Nationen bei der Ausbildung von Soldaten für Friedensmissionen in Zukunft enger kooperieren. Dagegen haben selbst Armeegegner keine Einwände. Wohl aber gegen Pläne der Regierung, Schweizer Soldaten wieder an größeren bewaffneten Einsätzen teilnehmen zu lassen.
BMZ-Haushalt Mehr Geld für multilaterale Organisationen
Mit der Hilfe des Bundestags hat sich Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) für das Jahr 2020 einen etwas üppigeren Haushalt gesichert, als ursprünglich geplant. Kritik gibt es dennoch, vor allem mit Blick auf die mittelfristige Finanzplanung.
Vertrag zwischen der EU und den AKP-Ländern Nachsitzen für Post-Cotonou
Das Nachfolgeabkommen für den Cotonou-Vertrag zwischen der Europäischen Union und der Gruppe der AKP-Länder (Afrika, Karibik, Pazifik) kann nicht wie geplant Anfang März in Kraft treten. Die Verhandlungen haben sich verzögert. Als harter Brocken erweist sich Migration.
Kooperationsländer Rückzug aus manchen der ärmsten Länder?
Anfang 2020 sollen in einem zweistufigen Verfahren Länder von der Liste der deutschen Entwicklungspartner gestrichen werden. Bundestagsabgeordnete befürchten, dass dabei die wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Länder unter die Räder kommen.
Religionsführer im Libanon Solidarität ja, Revolution nein
Im Libanon sind sich die Führungen von Sunniten, Schiiten, Drusen und Christen einig. Sie stellen sich hinter die Protestbewegung und fordern ein Ende der Korruption. Dass die politische Macht entlang religiöser Grenzen aufgeteilt wird, stellen sie aber nicht infrage.
Konferenz in Nigeria Über Hexerei redet man nicht
Eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema Hexerei hat Ende November in Nigeria zu wochenlangen Diskussionen geführt. Vor allem christliche Gruppen forderten, sie abzusagen. Das Thema ist heikel – auch für die westliche Entwicklungshilfe.
Österreich Zivilgesellschaft unter Druck
Bis zum Ende der rechtskonservativen ÖVP-FPÖ-Regierung im Frühsommer 2019 hat sich die österreichische Zivilgesellschaft zunehmend eingeengt gefühlt. Jetzt sei die Lage etwas entspannter, hieß es auf einer Veranstaltung im Dezember in Wien – als noch nicht klar war, dass die ÖVP sich mit den Grünen auf eine Koalition einigen würde.
Entwicklungspolitik „Die Vielfalt der EU ist ein Vorteil“
Christine Hackenesch vom DIE erklärt, wie die EU ihre Entwicklungspolitik besser verkaufen könnte