Klimaversicherung
Bauern in der Region Turkana im heißen Nordwesten Kenias graben einen Kanal, der Wasser auf ihre ausgedörrten Felder leiten soll. Eine Klimaversicherung ist für sie keine Option.
Klimaversicherung

Ein Modell für die Zukunft?

Auf der 25. Klimakonferenz im Dezember in Madrid hat das Entwicklungsministerium den Natural Disaster Fund (NDF) Deutschland vorgestellt. Der Fonds soll Hilfsorganisationen und Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungsländern absichern, damit diese nach Wetterextremen Hilfe leisten können. Eine langfristige Lösung ist das nicht, monieren Fachleute aus der Zivilgesellschaft.

Der Natural Disaster Fund (NDF) ist ein indirekter Versicherungsansatz zur Absicherung gegen Klimarisiken. Er soll bis zum Jahr 2025 zwischen 66 und 105 Millionen arme und besonders gefährdete Menschen zusätzlich gegen Klimarisiken absichern, erklärt eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ).

Diese potenziellen Nutznießer schließen jedoch keinen individuellen Versicherungsvertrag ab. Der Natural Disaster Fund ist für staatliche Akteure wie Städte oder Gemeinden, aber auch Mikrofinanz­institute oder zivilgesellschaftliche Hilfsorganisationen, die sich als sogenannte Intermediäre versichern. Kommt es etwa durch extremes Wetter zu Schäden, können sie die Leistungen aus der Versicherung einsetzen, um dringende Bedarfe der Menschen zu finanzieren.

Bei einer Stadt oder Gemeinde wären das etwa die Kosten für die Notfall- oder Gesundheitsversorgung, bei einem Mikrofinanzinstitut zusätzliche Kredite, die die betroffene Bevölkerung für den Wiederaufbau braucht. Die vom NDF abgesicherten Risiken werden „teilweise an den internationalen Versicherungsmarkt abgetreten“, erklärt die BMZ-Sprecherin. Der Rückversicherer Hannover Re steuert 50 Millionen Euro zu dem Fonds bei, das BMZ 25 Millionen.

Der NDF gehört zur Klimarisikoversicherungsinitiative InsuResilience Global Partnership des BMZ, an der auch die Zivilgesellschaft mitwirkt. Deutschland fördert unter ihrem Dach unterschiedliche Modelle, indem es Kapital für Schadensfälle bereitstellt und andere Staaten und Versicherungsgesellschaften ermutigt, das auch zu tun.

Verbindliche globale Besteuerung von CO2

Hilfswerke oder Organisationen wie Germanwatch unterstützen solche Versicherungslösungen, verlangen aber, dass sie in breitere Strategien gegen Folgeschäden der Klimakrise eingebettet werden. Und die sind schwierig. „Freiwillige Initiativen wie die des BMZ für Klimaversicherungen sind ein willkommener Versuch, einen kleinen Ersatz dafür zu schaffen, dass die großen Industriestaaten ihre Geldbeutel nicht aufmachen“, sagt Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt. Sie begrüßt den Einsatz des BMZ, mit dem neuen Fonds bei anderen Staaten und Versicherungskonzernen Beiträge zu mobilisieren. „Es ist ein Versuch, Risiken auf möglichst viele Schultern zu verteilen“, sagt Minninger. „Die Regierung übernimmt Verantwortung dafür, dass betroffene Menschen schnell und unbürokratisch Geld oder Lebensmittel bekommen und wieder auf die Beine kommen.“

Ein Zukunftsmodell sei das aber nicht. Im Grunde kehre das BMZ den Scherbenhaufen auf und versuche händeringend, Partner an Bord zu bekommen, sagt Minninger. Denn Klimarisiken seien ein Verlustgeschäft. Warum sollten Versicherungen einspringen, wo Staaten versagen und den Ausstieg aus der Kohle nicht hinbekämen, fragt sie. Minninger plädiert dafür, neue Finanzquellen zu erschließen: eine verbindliche globale Besteuerung von CO2, um nach dem Verursacherprinzip klimabedingte Verluste und Schäden in den ärmsten Ländern auszugleichen. „Bei steigenden Prämien werden arme Länder es nicht schaffen, alles über Versicherungen abzupuffern.“

erschienen in Ausgabe 2 / 2020: Meinungs- und Pressefreiheit

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