Pressefreiheit
Zugeklebte Münder als Protest für die Pressefreiheit: Palästinensische Journalisten demonstrieren im April 2018 im Gazastreifen gegen die Tötung ihres Kollegens Yasser Murtaja. Der Fotograf war von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden.  
Pressefreiheit

Journalismus unter Druck

Die Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten sind schwierig: Recherchen zu Korruption oder Menschenrechtsverletzungen sind in vielen Ländern der Welt lebensgefährlich. Medienfeindliche Hetze vergiftet auch in Europa und den USA die Atmosphäre.

Mehr als 400 Medienschaffende wurden in den vergangenen fünf Jahren weltweit in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet – die meisten in Syrien, Mexiko und Afghanistan. Zuletzt ging die Zahl der getöteten Journalistinnen und Journalisten in Kriegs- und Krisenländern deutlich zurück, während sie in Ländern ohne Kriege oder Bürgerkriege in etwa gleich blieb.
Im vergangenen Jahrzehnt waren oft Dutzende von Medienschaffenden – also professionelle Journalisten, Bürgerreporter sowie Medienmitarbeiter – bei der Ausübung ihres Berufs Kriegshandlungen oder Anschlägen zum Opfer gefallen, vor allem in Syrien, Afghanistan und dem Jemen. 2019 sank diese Zahl auf 18, auch weil viele Journalisten aus diesen Ländern geflüchtet sind oder den Beruf aufgegeben haben.

Dem standen 2019 mindestens 31 gezielt ermordete Journalisten außerhalb von Kriegen gegenüber. Vor allem in Lateinamerika, aber auch etwa auf den Philippinen sterben Journalisten, weil sie über organisierte Kriminalität, Korruption, Machtmissbrauch oder Menschenrechtsverletzungen berichten. Die weitaus meisten dieser Verbrechen bleiben ungestraft, die Täter unbehelligt. Ermittlungen werden über Jahre verschleppt oder es werden vermeintlich Schuldige als Täter präsentiert, während die Drahtzieher oft in politischen und wirtschaftlichen Eliten oder im organisierten Verbrechen zu vermuten sind. Die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen macht sich für die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten stark, um das Problem der Straflosigkeit endlich wirksam anzugehen. Denn wenn Strafverfolgung fehlt, fühlen sich potenzielle Täter geradezu ermutigt, kritische Stimmen gewaltsam zum Schweigen zu bringen.

###bild-3-37###Mexiko war neben dem Kriegsgebiet Syrien im Jahr 2019 das gefährlichste Land für Journalisten. Zwischen 2006 und 2018, seit Beginn des sogenannten Kriegs gegen die Drogenkartelle, wurden nach Recherchen von Reporter ohne Grenzen und der mexikanischen Menschenrechtsorganisation Propuesta Cívica in Mexiko 116 Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet oder verschleppt. Oft erscheint es naheliegend, wer die Morde in Auftrag gegeben hat, etwa wenn eine Journalistin über die Tätigkeiten eines Drogenkartells berichtet hatte oder ein Journalist vor seinem Tod wegen seiner Artikel vom Bürgermeister seiner Stadt eingeschüchtert worden war. Die Täterschaft eindeutig nachzuweisen, ist aber für Menschenrechtsorganisationen nahezu unmöglich.

Ermordet trotz Personenschützer

Die Morde an zwei Journalisten im Jahr 2019 waren auf tragische Weise beispielhaft für das systematische Versagen der mexikanischen Behörden beim Schutz von Journalisten. Die Polizeireporterin Norma Sarabia Garduza wurde im Bundesstaat Tabasco ermordet, nachdem ihr der Schutz verwehrt worden war, um den sie aufgrund von Bedrohungen nach ihrer Artikelreihe über Polizeikorruption ersucht hatte. Francisco Romero Díaz wurde im Bundesstaat Quintana Roo erschossen, obwohl er schon im nationalen Schutzprogramm für Journalisten war. Man hatte ihn mit einem Panikknopf ausgestattet und ihm einen Personenschützer zur Seite gestellt. Dieser war aber zum Zeitpunkt des Mordes nicht bei ihm. Romero Díaz war vor seinem Tod mehrfach bedroht worden – nach seiner Vermutung von kriminellen Banden.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2020: Meinungs- und Pressefreiheit

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