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 Ein Paradebeispiel für das Recht auf Selbstbestimmung: In Bougainville haben Ende 2019 beim Referendum fast 98 Prozent für die Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea gestimmt. 

Ness Kerton/AFP via Getty Images

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„Unsere Mitglieder fühlen sich in ihren Staaten nicht vertreten“ 

Manche streben nach einem eigenen Staat, andere nach Autonomie oder internationaler Teilhabe: Die Mitglieder der UNPO, der Organisation der nicht repräsentierten Nationen und Völker, verfolgen unterschiedliche Ziele, aber alle berufen sich dabei auf das Recht der Selbstbestimmung. UNPO-Generalsekretär Ralph Bunche erklärt, warum gerade China dieses Recht so vehement unterdrückt.  

 Ralph Bunche ist seit 2018 Generalsekretär der UNPO, der Organisation der nicht repräsentierten Nationen und Völker. Er ist Anwalt und der Enkel von einem der Gründer der Vereinten Nationen, Ralph Johnson Bunche.privat
Was bedeutet das Recht auf Selbstbestimmung für Ihre Mitglieder? Und was bedeutet es für die UNPO?
Für unsere Mitglieder ist Selbstbestimmung eine sehr emotionale Angelegenheit. Selbstbestimmung bedeutet für die Bewegungen die Fähigkeit, eine gewisse Kontrolle über ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu haben. Und die Fähigkeit, Teil der Gesellschaft zu sein. Für uns bei der UNPO ist das Recht auf Selbstbestimmung ein Menschenrecht; es ist in erster Linie ein Recht auf Teilhabe. Es ist kein Recht, sich abzuspalten oder einen unabhängigen Staat zu haben.

Es wollen also nicht alle ihre Mitglieder einen unabhängigen Staat? 
Nein. Einige von ihnen streben zwar vollständige Unabhängigkeit an, etwa die Bewegungen in Abchasien oder Somaliland. Andere wollen einen Platz am internationalen Tisch, zum Beispiel Taiwan. Sie kann man nicht als „Sezessionisten“ bezeichnen, denn das ist nicht, was sie wollen. Unserer Erfahrung nach hat der Begriff „Sezessionist“ eine zerstörerische Bedeutung, die autoritäre Regime dazu nutzen, ihre Bürger unter Druck zu setzen. Viele indigene Gemeinschaften wollen keine Unabhängigkeit, sondern einfach Autonomie innerhalb ihrer Nationalstaaten. Sie wollen eine gewisse Kontrolle über ihre Sprache und ihre Kultur haben. Andere wiederum, zum Beispiel die Regierung von Guam, streben lediglich das Recht auf ein Referendum der indigenen Bevölkerung an, um zu erfahren, wie sie über den Status ihres Volkes denken. 

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erschienen in Ausgabe 6 / 2021: Selbst bestimmen!

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