Kirche und Ökumene
 Frank Schwabe, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, bei seiner Reise nach Nigeria im Gespräch mit Ignatius Kaigama, Erzbischof von Abuja.

BMZ

Kirche und Ökumene

Unterwegs in Nigeria für die Religionsfreiheit

Zuhören, bestärken und im Zweifel Druck machen: So versteht Frank Schwabe seine Aufgabe als Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Bei seiner Reise nach Nigeria Ende August hat er genau das getan.

Nigeria gehört zu den oft genannten Beispielen in der Diskussion um weltweite Religionsfreiheit. Das bevölkerungsreichste Land auf dem afrikanischen Kontinent ist für seine lange Geschichte im guten Miteinander von Christen und Muslimen bekannt. Doch dieses Miteinander gerät zunehmend in Gefahr. Seit Jahren sorgen islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram mit ihren Anschlägen und Entführungen für Angst und Schrecken in der lokalen Bevölkerung. Zwischen christlichen Kleinbauern und muslimischen Hirten aus der Ethnie der Fulani kommt es immer häufiger zu gewaltsamen Konflikten. Und schließlich sehen vor allem die christlichen Kirchen Anzeichen dafür, dass die muslimische Seite in der Politik den Konsens einer gut austarierten Ämterverteilung aufgekündigt habe.

Als Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit hat Frank Schwabe im August in Nigeria mit Vertretern beider Religionsgemeinschaften gesprochen. Position hat er dabei allerdings nicht bezogen. Die Konflikte seien zu vielschichtig, um als Außenstehender sagen zu können, wo es lang geht. „Das hätte in Nigeria vermutlich auch niemand hören wollen“, sagt Schwabe. „Ich sehe mich eher als Zuhörenden und möchte verstehen, wo die eigentlichen Ursachen der Konflikte liegen.“

Die lägen in der Regel nicht in den Religionen an sich, sondern seien auf wirtschaftliche oder ethnische Gründe oder den Klimawandel zurückzuführen, wie bei den Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Hirten, deren Weidegründe für ihre Herden immer kleiner werden. „Natürlich sind es Christen und Muslime, die da einen Konflikt miteinander haben. Dieser kann aber nicht gelöst werden, wenn man die alleinige Ursache darin sieht, dass sie unterschiedlichen Glaubens sind.“

Auch Genitalverstümmelung bei Frauen war ein Thema

Auch das Thema Genitalverstümmelung, das Christinnen und Musliminnen gleichermaßen betreffe, habe auf seiner Agenda gestanden. Mit vier Frauen, die in kirchlichen Projekten arbeiteten, habe er sich sehr offen austauschen können. Indirekt würden die Projekte von seinem Haus, dem Bundesentwicklungsministerium, finanziert – über Mittel, die kirchlichen Werken wie Brot für die Welt und Misereor zur Verfügung gestellt werden. „Da sehe ich meine Aufgabe eher darin, die Menschen vor Ort in ihrer Arbeit zu bestärken und wahrzunehmen, was sie alles leisten.“

Schwabe wollte sich allerdings nicht aufs Zuhören und Bestärken beschränken. Für seine Reise hatte er sich auch vorgenommen, daran zu erinnern, dass das Menschenrecht der Religions- und Weltanschauungsfreiheit nicht nur für Gläubige gilt, sondern auch für Nicht-Gläubige. Keiner darf dafür bestraft werden, dass er nicht an Gott glaubt – ein Tabu in einer religiös geprägten Gesellschaft wie der nigerianischen. Schwabe hat deswegen an verschiedenen Stellen den Fall Mubarak Bala angesprochen, den Vorsitzenden der Humanisten-Gemeinschaft, der unlängst von einem Gericht zu 24 Jahren Haft verurteilt wurde. Im Justizministerium habe man sich erst einmal ahnungslos gestellt, erzählt Schwabe, dann habe man aber zumindest zugesagt, sich das alles noch einmal anzuschauen. Mit dem nigerianischen Botschafter in Deutschland sei er in dieser Sache in Kontakt und versuche auch auf diesem Weg, Druck zu machen. Er wolle deutlich machen, dass solche Fälle nicht unbeachtet blieben.

Aufklärungsarbeit Religionsfreiheit leistet Schwabe auch in Deutschland zum Beispiel gegenüber Menschenrechtsorganisationen, die sich zwar für Versammlungs- und Meinungsfreiheit einsetzten, mit Religionsfreiheit aber eher wenig anfangen könnten und diese nicht im Blick hätten. Oder gegenüber Hilfswerken, die sich allein der Solidarität mit verfolgten Christen widmeten. Ihnen gibt er zu verstehen, dass Religionsfreiheit für alle gilt, nicht nur für Christen. „Gleichzeitig setze ich mich aber gerne dafür ein, wenn ich von diesen Werken Informationen über einzelne Verfolgte zum Beispiel in Pakistan oder Vietnam bekomme.“ Dass er selbst einen christlichen Hintergrund hat, sieht Schwabe als Vorteil für seine Arbeit. Die Motivation religiöser Akteure könne er dadurch besser verstehen. Und dass er mit einer Nigerianerin verheiratet ist, hat ihm auf seiner Reise zusätzlich Türen geöffnet. „Sobald die Menschen das mitbekommen haben, war ich gleich einer von ihnen.“

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