Anpassung an das Ungewisse

Viele Folgen des Klimawandels lassen sich nicht mehr abwenden. So werden die Bedingungen für die Landwirtschaft vielerorts schlechter, Wetterextreme häufiger, und der Meeresspiegel steigt. Doch die Folgen für einzelne Orte sind schwer absehbar. Dennoch muss man sich darauf einstellen und dafür sorgen, dass Hilfe dafür den verwundbaren Gruppen zugutekommt und lokale Lösungsansätze unterstützt.

Trotz der unmittelbaren Gefahren für Hunderte Millionen Menschen waren die Folgen des Treibhauseffekts bei den internationalen Klimaverhandlungen lange Zeit kein wichtiges Thema. Über 15 Jahre stand ausschließlich im Fokus, wie der drohende Klimawandel noch auf einem erträglichen Maß zu halten sei und welches Land wie schnell seine Emissionen zurückfahren sollte. Man feilschte über Prozentzahlen oder darüber, wie Klimaschutzprojekte im Ausland oder Aufforstungen gutgeschrieben werden könnten.

Was mit den Inselstaaten passiert, kümmert kaum jemanden

Dabei hatte der Inselstaat Vanuatu schon 1991, vor dem ersten Gipfeltreffen in Rio de Janeiro, ein Papier auf den Tisch gelegt, das Kompensation für bereits eingetretene Klimaschäden forderte. Doch der Vorschlag des 250.000-Einwohner-Staats verschwand irgendwo in den Fußnoten. Dass die Folgen des Klimawandels vielerorts immer spürbarer wurden, fiel nur deshalb kaum jemandem auf, weil die, die am stärksten darunter leiden, auf den internationalen Konferenzen nicht vertreten sind.

Lediglich den kleinen Inselstaaten gelang es wiederholt, die Weltöffentlichkeit auf ihre Lage aufmerksam zu machen: Schließlich geht es dabei um nicht weniger als das komplette Verschwinden heute noch existierender Länder wie Tuvalu, Vanuatu und der Malediven, die auf den UN-Gipfeln immerhin mit Staatsoberhaupt und Fahne vertreten sind.

2001 widmete sich der Weltklimarat, der die Politiker berät, erstmals dem Thema Anpassung. Er schlug einen bunten Strauß technischer und infrastruktureller Maßnahmen vor, die eines gemeinsam hatten: Sie sollten von oben und außen an die Betroffenen herangetragen werden. Im selben Jahr beschlossen die Regierungschefs im Rahmen des Kyoto-Protokolls, einen Anpassungsfonds einzurichten.

Bis zum offiziellen Startschuss dauerte es dann allerdings noch sieben Jahre, und erst 2008 nahm der Fonds tatsächlich seine Arbeit auf. Finanziert wird er aus einem Aufschlag auf Projekte aus dem „Clean Development Mechanism“ (CDM). Dabei bezahlen die Industrieländer die Einsparung von klimaschädlichen Gasen in Entwicklungsländern und dürfen sich das auf ihr eigenes Reduktionsziel anrechnen. Ein paar Sonderzahlungen von Industrieländern kamen hinzu. Bis heute sind schätzungsweise 340 Millionen US-Dollar im Rahmen des Anpassungsfonds ausgegeben worden; bis zum Sommer 2012 waren 18 Projekte weltweit genehmigt.

Auf dem sonst gescheiterten UN-Gipfel in Kopenhagen 2009 wurde das Thema Anpassung endlich auf breiterer Ebene wahrgenommen. Die Industrieländer stellten den am stärksten bedrohten armen Ländern kurzfristig 30 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren. Bis 2020 sollen die Zahlungen auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar steigen. Obwohl in den Verträgen festgelegt ist, dass diese Mittel gleichmäßig auf Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen verteilt werden sollen, gewichtet die Bundesregierung laut einer Analyse der Hilfsorganisation Oxfam ihre Zahlungen völlig anders: Im laufenden Jahr fließen nur 16 Prozent der zur Verfügung stehenden 400 Millionen Euro in Projekte, die Menschen helfen sollen, bereits eingetretene Klimafolgen zu bewältigen. Andere Industrieländer verfahren ähnlich: Das meiste Geld ist für die Verminderung von Emissionen und den Waldschutz vorgesehen. Zudem ist zweifelhaft, inwieweit das Geld wirklich, wie in der Klimarahmenkonvention festgeschrieben, „neu und zusätzlich“ ist oder nur eine Umwidmung von bereits zugesagter Entwicklungshilfe.

erschienen in Ausgabe 12 / 2012: Leben mit dem Klimawandel

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