Der Zeitpunkt ist typisch Schweizerisch: Erst zwei Monate, nachdem die EU den Import von Gold aus dem Sudan und den Export von Gütern, die dort zur Goldgewinnung genutzt werden könnten, verboten hat, zieht die Schweiz nach. Anfang September erklärte der Bundesrat, die Schweiz werde die EU-Sanktionen übernehmen und den Import von Gold aus dem Sudan ebenfalls verbieten.
Damian Oettli, Wirtschaftsexperte beim WWF Schweiz, begrüßt das. Zugleich moniert er, dass die Schweiz immer erst auf die anderen schaue: „Von sich aus regulieren Politik und Verwaltung den internationalen Handel nie.“ Der Bundesrat setze lieber auf die Selbstregulierung der Goldunternehmen, statt ihnen einen klaren gesetzlichen Rahmen zu geben – es sei denn, es gebe Druck aus dem Ausland in diese Richtung. „Bevor man ein Gesetz aus dem Ausland übernimmt, spricht man mit den wichtigen Verbänden der Branche, um zu erfahren, wie sich dies auf ihre Geschäfte auswirken könnte“, sagt Oettli.
Klares Gesetz, schwierige Umsetzung
Goldabbau ist im Sudan ein Kriegstreiber. Seit Ausbruch der Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) vor dreieinhalb Jahren dient das Edelmetall beiden Seiten als wichtige Finanzierungsquelle.
„Das Gesetz ist klar und deutlich“, sagt Oettli. Das Problem sieht er allerdings bei der Durchsetzung: Zwar verbietet das Gesetz ausdrücklich auch den Import von sudanesischem Gold über Drittländer. Doch um das durchzusetzen, muss man in der Lage sein, die Herkunft des Goldes zweifelsfrei festzustellen. Zwar hat die Schweiz 2025 das Edelmetallkontrollgesetz revidiert und damit die OECD-Standards übernommen. Damit umfasst die Sorgfaltspflicht für die Raffinerien, dass sie die gesamte Lieferkette überprüfen müssen. Der Haken ist allerdings, dass bei der Einfuhr beim Zoll nach wie vor nur die letzte Station des Goldes als Herkunft deklariert wird.
Das heißt: Die Raffinerien müssen ihre Lieferketten kennen und diese im Falle einer Kontrolle gegebenenfalls offenlegen. Allerdings wird das vom Zoll bei der Einfuhr nicht systematisch überprüft. Damian Oettli fordert, dass die Raffinerien beim Zoll belegen müssen, aus welchem Land und von welcher Mine das Gold ursprünglich stammt, um eine Herkunft aus dem Sudan ausschließen zu können.
Dubai ist die Drehscheibe für globalen Goldhandel
Der wichtigste Absatzmarkt für sudanesisches Gold sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Das Land unterstützt im Krieg die Rapid Support Forces (RSF), den Kriegsgegner der Regierung. Gleichzeitig ist die Stadt Dubai in den VAE eine der wichtigsten Drehscheiben für den globalen Goldhandel. Das meiste Gold aus dem Sudan gelangt allerdings nicht auf offiziellem Weg dorthin: In ihrem „African Gold Report“ von 2025 schätzt die Hilfsorganisation Swissaid, dass zwischen 50 und 70 Prozent des sudanesischen Goldes illegal aus dem Land geschmuggelt werden.
Gut zwanzig Prozent des Goldes aus den Emiraten wurde 2024 in die Schweiz exportiert. Fast alles davon wird von der Raffinerie Valcambi im Tessin eingeführt. In der Branche ist die Raffinerie deswegen umstritten: Bereits 2020 forderten Vertreter der anderen großen Schweizer Raffinerien Valcambi auf, die Geschäftsbeziehungen mit dem Lieferanten Kaloti in Dubai zu beenden, der unter anderem kritisiert wird, weil er in den letzten Jahren wiederholt Gold aus dem Sudan importiert hat. Wegen unterschiedlicher Ansichten dazu ist Valcambi 2023 aus der Schweizerischen Vereinigung der Edelmetallhersteller und -händler ausgetreten.
Laut dem Rechtswissenschaftler und Rohstoffexperten Mark Pieth haben die neuen Sanktionen gegen sudanesisches Gold vor allem eine präventive Wirkung. Schon bislang hätten Raffinerien eigentlich kein Gold aus dem Sudan importieren dürfen, da im Sudan geschürftes Gold mit dem Risiko behaftet sei, dass es geplündert wurde und der Handel damit zur Geldwäscherei beitragen könne. Mit den neuen Sanktionen erhöhe der Bundesrat den Druck auf die Raffinerien: „Wenn man das Verbot explizit macht, signalisiert man den Raffinerien, dass sich noch mehr bemühen müssen.“

Neuen Kommentar hinzufügen