Ärzte gegen Atomkrieg: EKD-Denkschrift setzt zu sehr auf Abschreckung

Die Ärztevereinigung IPPNW wirft der EKD-Friedensdenkschrift vor, friedenspolitisch zu kurz zu greifen: Statt konsequenter Abrüstung setze sie zu sehr auf Sicherheitslogik und lasse nukleare Abschreckung als ethisch vertretbar erscheinen.

Berlin - Die deutsche Sektion der Ärztevereinigung zur Verhütung eines Atomkrieges (IPPNW) hat die im November 2025 veröffentlichte Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als „friedenspolitisch enttäuschend“ kritisiert. Das EKD-Grundsatzpapier mit dem Titel „Die Welt in Unordnung“ verenge den Blick auf sicherheitslogische Prinzipien, statt Lösungen im Sinne einer Friedenslogik aufzuzeigen, heißt es in einer Stellungnahme des IPPNW, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Im harmlosen Gewand des „gerechten Friedens“ kehre die Idee des „gerechten Krieges“ zurück.

„Insbesondere die Stellungnahme der EKD zur atomaren Abschreckung ist für die IPPNW inakzeptabel“, heißt es weiter. Denn diese stehe vor dem Hintergrund eines weltweiten nuklearen Wettrüstens und in einer Zeit, in der das nukleare Tabu bröckele, Vorwarnzeiten kürzer würden und der Einsatz von künstlicher Intelligenz zunehme.

„Mehr Sicherheitslogik statt Friedenslogik“

Die EKD-Friedensdenkschrift ächtet Atomwaffen wie bereits das Vorgängerpapier von 2007 als friedensethisch nicht zu rechtfertigen. Zugleich erkennt sie an, dass die Drohung mit Atomwaffen einer wirkungsvollen Verteidigung dienen könne. „Der Besitz von Nuklearwaffen kann sicherheitspolitisch notwendig sein, auch wenn ihr Einsatz durch nichts zu rechtfertigen ist“, heißt es in dem im November veröffentlichten Dokument.

Zwar werde das ethische Prinzip des Gewaltverzichts in der Friedensdenkschrift weiterhin betont, räumt die deutsche Sektion von IPPNW ein. Doch gleichzeitig rücke der „Schutz vor Gewalt“ in den Vordergrund. Der Diskurs verschiebe sich deutlich von der Friedenslogik hin zu einer Sicherheitslogik", hieß es weiter. Die Ärztevereinigung begrüßte die abweichende Stellungnahme des EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer bei der Vorstellung der Denkschrift. Der Bischof der mitteldeutschen Kirche hatte bei der Position zu Atomwaffen Kritik an dem Friedenspapier formuliert.

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