Somaliland sucht Anerkennung

Anfang der 1990er Jahre sagte sich Somaliland von Somalia los. Mit eigener Regierung und eigener Währung behauptet sich die autonome Region am Golf von Aden. Die erste internationale Anerkennung durch Israel bringt neues Selbstbewusstsein.

Nairobi/Hargeisa - Es ist ein Land, das offiziell keines ist. Somaliland, halb so groß wie Deutschland, am Horn von Afrika, sagte sich 1991 von Somalia los. Im Dezember erkannte Israel nun als erster Staat Somaliland als souverän an. Für Somaliland ist das ein Schritt von immenser Bedeutung, für Israel ist es vor allem ein geopolitischer Schachzug: Es gehe dabei besonders um Sicherheit von Handelswegen über das Rote Meer und Allianzen gegen die Huthi-Rebellen im Jemen, schreibt das Nationale Institut für Sicherheitsstudien in Tel Aviv.

Ob in der Hauptstadt Hargeisa oder in kleineren Städten in Somaliland - die grün-weiß-rote Flagge ist omnipräsent, gemeinsam mit dem Datum des Unabhängigkeitstags. „18 May“ steht in Graffiti an Hauswänden und Ladenfronten. Die Anerkennung seitens Israels gibt Rückenwind. "Israel wäre nicht unbedingt die erste Wahl gewesen, aber wir mussten die Dinge ein bisschen aufrütteln”, sagt der Anwalt und politische Analyst Guleid Ahmed Jama in der Hauptstadt Hargeisa. Er glaubt, dass die Debatten der letzten Wochen vielen Ländern, die Somaliland gar nicht auf dem Schirm hatten, gezeigt hätten, dass dieses es ernst meint mit der Unabhängigkeit.

Im Zentrum der Klimakrise

Nur wenige Länder haben direkte, praktisch informelle diplomatische Beziehungen mit Somaliland. Auf der Straße, die vom Flughafen ins Zentrum der Hauptstadt führt, fallen Schilder zur Zusammenarbeit mit Taiwan auf - das seinerseits von China unabhängig sein will, aber international nicht anerkannt ist. Seit 2020 verbindet die beiden Länder eine strategische Partnerschaft, in der technische Zusammenarbeit, zum Beispiel beim Straßenbau, im Zentrum steht.

Etwa sieben Millionen Einwohner hat Somaliland am Horn von Afrika. Es lebt vom Export von Ziegen, Schafen, Kühen und Kamelen in die Golf-Staaten. Somaliland steht aber auch im Zentrum der Klimakrise, die sich vor allem in Dürren in zunehmend kürzerem Abstand zeigt. Israel hat angekündigt, Wasserinfrastrukturprojekte zu unterstützen und umzusetzen. Denn das Budget der Regierung von Somaliland ist klein und erreicht bei weitem nicht alle Bürgerinnen und Bürger mit Infrastruktur, die zum Teil von Hilfsorganisationen übernommen wird.

US-Vorstöße zur Anerkennung

Somalia sieht die Anerkennung von Somaliland als "Verletzung seiner Souveränität und Integrität”. Doch vor Ort gibt es vom Staat Somalia in Somaliland keine Spuren. Somaliland hat eine eigene Flagge, eine eigene Währung, komplett unabhängige Regierungsinstitutionen, verhältnismäßig regelmäßige Wahlen. Anders als in Somalia, das seit den 1990er Jahren immer wieder von Bürgerkrieg und islamistischem Terror erschüttert wird, konnte Somaliland relative Stabilität aufbauen.

In den USA gibt es inzwischen einige republikanische Kongressabgeordnete, die für eine Anerkennung von Somaliland plädieren und lobbyieren. "Der US-Präsident hat gezeigt, dass er unorthodoxe Entscheidungen trifft, davon könnten wir profitieren”, sagt Guleid.

Blick auf großen Nachbarn Äthiopien

Hinsichtlich des großen Nachbarn Äthiopien war Anfang 2024 schon einmal die Hoffnungen groß, dass ein Abkommen über Seezugang des westlich gelegenen Binnenlands die Grundlage für eine Anerkennung bilden könnte. Doch das Abkommen sei auch in Somaliland umstritten gewesen, erklärt Guleid. Denn es sei unklar gewesen, auf welcher Basis der Zugang zum Meer gewährt werden würde. Würde ein Stück Küste an Äthiopien abgegeben werden? Unter welchen Bedingungen könnte Äthiopien das Land nutzen? Wenn die Regierung die Verhandlungen wieder aufnehme, sei es wichtig, den Prozess transparenter zu gestalten und das Parlament und die Öffentlichkeit einzubeziehen, betont Guleid.

Auch die Anerkennung seitens Israels sehen manche mit Vorbehalt. Sie könnte laut einer Analyse des Horn-Instituts für Sicherheitsstudien mit Sitz in Nairobi auch problematische Folgen haben. Zum Beispiel könnte Somaliland durch die Assoziation mit Israel zum Ziel von Angriffen der Huthi-Rebellen aus dem Jemen werden, von dem Somaliland nur 250 Kilometer Meer trennen. "Wir müssen die Debatte weg von Israel und zurück auf Somaliland lenken”, sagt Guleid. Er hofft, dass in naher Zukunft weitere Länder Somaliland anerkennen.

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