Wahl in Kolumbien: Feierstimmung im ultrarechten Lager

Er gibt sich als Anti-Politiker und beschimpft seine Gegner als Banditen: Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien liegt der Ultrarechte de la Espriella vorn. In der Stichwahl steht ihm der Menschenrechtsanwalt Cepeda gegenüber.

Bogotá - Abelardo de la Espriella kann sein Glück kaum fassen. „Wir werden die Tyrannei und den Absolutismus besiegen“, ruft der ultrarechte Überraschungssieger der Präsidentschaftswahl in Kolumbien am Sonntagabend. Mit 43,7 Prozent liegt de la Espriella, der sich „der Tiger“ rufen lässt, im ersten Wahlgang knapp drei Prozentpunkte vor dem linken Menschenrechtsanwalt und Senator Iván Cepeda. Für die Stichwahl am 21. Juni wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt.

Seine Siegesrede hält der 47-Jährige vor Hunderten Anhängern mit viel Feuerwerk auf einem Schiff in der Hafenstadt Barranquilla. Wie bei seinen jüngsten Wahlkampfveranstaltungen trägt er ein gelbes Trikot der Fußball-Nationalmannschaft und spricht wild gestikulierend hinter einer durchsichtigen Wand aus Panzerglas.

Inszenierung als Anti-Politiker

Ganz im Stil der internationalen Ultrarechten inszeniert sich der Kandidat als Anti-Politiker. Wie der Argentinier Javier Milei behauptet er, das höchste Staatsamt gegen die traditionelle Politikerkaste anzustreben. Tatsächlich hat der Jurist nie ein öffentliches Amt ausgeübt - die vergangenen 20 Jahre widmete er seiner Anwaltskanzlei, verteidigte Paramilitärs, Drogenmafiosi und andere Geschäftemacher, aber auch prominente Models oder Sänger.

Der Schulterschluss mit dem rechten Establishment erfolgte bereits am Wahlabend: Die mit 6,9 Prozent weit abgeschlagene, streng konservative Mitbewerberin Paloma Valencia und deren Ziehvater, der frühere Präsident Álvaro Uribe, riefen zur Wahl de la Espriellas auf. Zahlreiche rechte Parlamentarier folgten ihrem Beispiel. Bereits zuvor waren prominente „Uribistas“ zu ihm übergelaufen. De la Espriella ist eine radikalere, zeitgenössische Version des 73-jährigen Hardliners Uribe, die auch die TikTok-Generation anspricht.

Kampf gegen „Narco-Terrorismus“

Die mächtigen Drogenbanden, zu denen viele ehemals linke Guerilleros zählen, verspricht er militärisch zu bekämpfen. Nach dem Vorbild des salvadorianischen Machthabers Nayib Bukele, dessen Bart und Frisur er abgekupfert hat, will er zehn Megagefängnisse bauen lassen, und wie Milei möchte er die Staatsausgaben radikal kürzen. Schließlich würde er sich wie andere rechte Präsidenten der Region der Initiative „Shield of the Americas“ von US-Präsident Donald Trump anschließen, die sich angeblich gegen den „Narco-Terrorismus“ richtet.

Den linken Präsidenten Gustavo Petro und seinen Widersacher bei der Stichwahl, den 63-jährigen Senator Iván Cepeda, beschimpft der Mafia-Anwalt als „zwei Banditen, die wir in Rente schicken werden“.

Im Zentrum von Bogotá bekennt eine Endfünfzigerin aus der Mittelschicht: „Ich habe immer die Uribe-Leute gewählt, aber jetzt bin ich für Abelardo - er steht für Gott, Familie und Vaterland“.

Friedensvorhaben gescheitert

Der Auftritt Cepedas in einem Hauptstadthotel ist stilistisch ganz traditionell: Umringt von prominenten Parteifreundinnen und unterbrochen von linken Slogans wie „No pasarán“ („Sie kommen nicht durch“) hält der sonst eher spröde Menschenrechtsanwalt eine fast freie, ungewohnt kämpferische Rede. De la Espriella sei ein „Faschist“ und ein Frauenfeind, ruft der Mann im weißen Hemd. Die Unentschlossen und Jugendlichen fordert er auf, sich „auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen“.

Und seine Chancen für die Stichwahl stehen nicht schlecht: Im Bündnis mit Liberalen und Grünen ist es ihm gelungen, das Ergebnis von Gustavo Petro vor vier Jahren zu übertreffen. Doch Petros größtes Versagen ist Cepedas Achillesferse: Der vom Präsidenten verheißene umfassende Frieden in dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Guerillas, Paramilitärs und dem Staat scheint weiter weg denn je.

Die neue Konstellation, ein „politisches und emotionales Unentschieden“ lasse „drei Wochen eines erbitterten Wettbewerbs“ erwarten, meint die liberale Journalistin Juanita León. Für sie wie für viele Kommentatoren der großen Medien stellen de la Espriella und Cepeda „zwei Extreme des ideologischen Spektrums“, dar, die mit ähnlichen „populistischen Methoden“ agierten.

Die große Frage bei der Stichwahl lautet nun: Wer ist für die Wählerinnen und Wähler der politischen Mitte das größere Übel, der gestandene Linke oder der rechte Anwalt und Anti-Politiker?

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