Kolumbien: Anklage gegen 27 ehemalige Mitglieder der Farc-Guerilla

Berlin/Bogotá. Das kolumbianische Sondergericht für die Verbrechen des Bürgerkriegs (JEP) hat Anklage gegen 27 ehemalige Mitglieder der aufgelösten Farc-Guerilla erhoben. Ihnen werden Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen. Das 2016 eingerichtete Sondergericht habe am Dienstag (Ortszeit) mitgeteilt, dass die Angeklagten für Vertreibung, Massaker, Attentate und sexualisierte Gewalt verantwortlich seien, berichtet der Radiosender Caracol.

Das Gericht konnte demnach insgesamt 2436 Opfer von Gewalttaten identifizieren. Unter anderem sollen die Angeklagten auch die Ermordung des konservativen Politikers Álvaro Gómez Hurtado im Jahr 1995 in Auftrag gegeben haben.

Umfassende Analyse zu Verbrechen der Farc

Der Präsident des Sondergerichts, Alejandro Ramelli, erklärte während einer online übertragenen Pressekonferenz, die Anklage stelle „die umfassendste und tiefgreifendste juristische Analyse dar“, die in Kolumbien zu den Verbrechen der Guerilla angefertigt worden sei. Das Sondergericht wurde nach dem Friedensvertrag von 2016 zwischen der Regierung und Farc-Guerilla ins Leben gerufen. Es soll die Gräueltaten des über 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs aufarbeiten, bei dem etwa 300.000 Menschen getötet und sieben Millionen vertrieben wurden.

Schwerpunkt des Sondergerichts sind die Wahrheitsfindung und die Aufarbeitung, weniger die Bestrafung der Täter. Wenn die nun Angeklagten sich schuldig bekennen, wird das Gericht Maßnahmen zur Wiedergutmachung festlegen, etwa gemeinnützige Arbeit in den von der Gewalt besonders betroffenen Gebieten. Beharren sie auf ihrer Unschuld, wird das Verfahren an ein reguläres Gericht überwiesen und es drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.

Kolumbiens gewählter Präsident Abelardo de la Espriella, der am Freitag sein Amt antritt, hat das Gericht wiederholt scharf kritisiert. Die Maßnahmen zur Wiedergutmachung kämen einer Straflosigkeit gleich.

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