Experte: Das Weltsozialforum ist "leider wichtiger denn je"

Cotonou/Berlin. Das diesjährige Weltsozialforum (WSF) in Benin hat laut dem Experten Francisco Marí nichts an Aktualität verloren. Mit Blick auf weltweite Ernährungskrisen, dramatische Klimawandelfolgen und anhaltende Kriege und Konflikte sei das Forum „mit seinen Ideen leider wichtiger denn je geworden“, sagte Marí vom Hilfswerk „Brot für die Welt“ zum Auftakt des Forums am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Statt des WSF-Mottos „eine andere Welt ist möglich“ müsse es eigentlich heißen „Eine andere Welt ist bitter nötig“, betonte der Agrarexperte, der selbst in der beninischen Stadt Cotonou am WSF teilnimmt.

In rund 500 Veranstaltungen werden über vier Tage hinweg Themen wie Migration, Ernährungskrise, Landwirtschaft, Klima, Kolonialismus und Demokratie diskutiert. Das Forum sei dabei als Austauschort internationaler sozialer Bewegungen gedacht, insbesondere auch aus Ländern des globalen Südens, erklärte Marí. Regierungsvertreter seien explizit nicht beteiligt.

Als wichtiges Thema der kommenden Tage nannte der Experte die Auswirkungen des Klimawandels, die auch in Benin mit dem steigenden Meeresspiegel hautnah erlebbar seien. Unter dem Stichwort Agrarökologie werde über Alternativen zu industriellen Landwirtschaftsmodellen für eine nachhaltige Ernährung nachgedacht. „Die Hungerfrage ist noch immer nicht gelöst“, betonte Marí.

Zivilgesellschaft unter Druck

Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen WSF, zu dem laut den Organisatoren rund 10.000 Teilnehmende anreisen, liege zudem auf dem wachsenden Druck auf die Zivilgesellschaft durch staatliche Repression. Auch das Forum selbst musste dies erleben: Aus bislang unklaren Gründen hatte die Regierung von Benin die seit über zwei Jahren geplante Veranstaltung Anfang der Woche kurzerhand abgesagt. Das WSF sollte eigentlich am Dienstag mit der Ankunft einer Buskarawane aus westafrikanischen Ländern wie Mali, Burkina Faso, Ghana und Liberia beginnen. „Vielleicht hatte die Regierung Benins den Eindruck, dass es nicht beninisch genug ist“, mutmaßte Marí. In intensiven Gesprächen sei dann doch noch eine Einigung erzielt worden, das Forum begann am Donnerstagvormittag.

Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ hat das Weltsozialforum mitbegründet. Es fand 2001 erstmals in der brasilianischen Stadt Porto Alegre als Gegenmodell zum Weltwirtschaftsforum in Davos statt.

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