Ultrarechter Anwalt und Millionär als neuer Präsident Kolumbiens

In Kolumbien hat der Hardliner De la Espriella das Präsidentenamt angetreten. In seiner ersten Rede kündigt der "Tiger" ein hartes militärisches Vorgehen gegen Drogenbanden an. Zugleich versicherte er, er werde für alle Kolumbianer regieren.

Berlin/Cali - Abelardo de la Espriella, der sich „der Tiger“ nennt, ist eine schillernde Figur: Der 47-jährige Selfmade-Man ist millionenschwerer Unternehmer, der ähnlich mit seinem Reichtum protzt wie US-Präsident Donald Trump. Neben der kolumbianischen hat er auch die italienische und die US-Staatsbürgerschaft. Und als Strafverteidiger war er Anwalt von Paramilitärs, von bekannten Models und von Alex Saab, einer Schlüsselfigur im Korruptionsgeflecht um den abgesetzten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Mit dem ultrarechten Anwalt als neuem Präsidenten Kolumbiens gewinnt Trump einen neuen, ihm ergebenen Verbündeten in Lateinamerika. Dabei fiel der Sieg denkbar knapp aus: Fast 13 Millionen Stimmen erzielte de la Espriella in der Stichwahl, nur 250.000 mehr als sein linker Kontrahent Iván Cepeda. Trotz bislang unbewiesener Vorwürfe des Wahlbetrugs durch Amtsvorgänger Gustavo Petro, stehen die Zeichen nun auf Wandel.

Kopie von Erfolgsrezepten

Im Wahlkampf kopierte er einige Erfolgsrezepte seiner ultrarechten Kollegen: Er stylte sich wie El Salvadors Machthaber Nayib Bukele, nach dessen Vorbild will er zehn Hochsicherheitsgefängnisse bauen lassen. Wie der Argentinier Javier Milei kündigte er einen radikalen Staatsabbau mit der Kettensäge an und inszenierte sich als „anti-woker“ , frauen- und schwulenfeindlicher Kulturkämpfer. Die erfolgreiche Masche, während der Fußball-WM im Trikot der Nationalmannschaft aufzutreten, übernahm er von Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro.

Ähnlich wie Bolsonaro und Milei pöbelte der Wahlkämpfer gegen Journalisten, Linke wollte er „ausweiden“. Dank eines teuren, modernen und professionellen Wahlkampfs, großer Präsenz in den sozialen Netzwerken einschließlich Fake-News und Verleumdungen Cepedas hatte er schließlich die Nase vorne. Auch Vorwürfe von Stimmenkauf machten die Runde.

Auftritt als Anti-Politiker

Der Bewunderer von Ex-Präsident Álvaro Uribe (2002-2010) präsentierte sich als Showman und Anti-Politiker, doch mit dem Ökonomen und Ex-Minister José Manuel Restrepo als künftigem Vizepräsidenten schlug er geschickt einen Bogen zum konservativen Establishment.

Seine Antrittsrede am Freitag (Ortszeit) hielt De la Espriella vor Soldaten in einer Militärkaserne. Dabei kündigte er einen harten militärischen Kampf gegen Drogenbanden an. Zugleich gelobte er zum wiederholten Mal, für alle Kolumbianer regieren zu wollen. „Niemand wird verfolgt werden, weil er anders denkt“, sagte der neue Präsident. Die Mehrheit habe das Recht zu regieren und die Minderheit zu widersprechen. Im Parlament kann der neue Präsident indes gerade einmal auf drei eigene Abgeordnete zählen. Die meisten Parlamentarier stellt Cepedas Partei „Historischer Pakt“.

USA als Verbündeter

De la Espriella hat bereits angekündigt, vor allem per Dekret zu regieren, so wie ein Amtskollege Javier Milei aus Argentinien. Sein Fokus wird dabei auf liberalen Wirtschaftsreformen und Sicherheit gerichtet sein. Bei seiner Amtseinführung kündigte er Sparmaßnahmen und die Abschaffung der Vermögenssteuer an. „Eine Wirtschaft floriert nicht, wenn der Staat ohne Kontrolle Geld ausgibt“, sagte er laut der Zeitung „El Tiempo“.

Wie rabiat oder gemäßigt De la Espriella nun wirklich regieren will, bleibt abzuwarten. Außenpolitisch, soviel steht fest, wird er Kolumbien wieder zu einem engen Verbündeten der USA machen. „Wir werden ein seriöser Partner sein, ein echter Verbündeter und eine feste Stimme als Verteidiger der Freiheit“, erklärte De la Espriella. Zu Ländern, die die Demokratie nicht achteten, werde er hingegen keine Beziehungen unterhalten, kündigte er an.

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