Kindersoldaten in Kolumbien: Rekrutierung nimmt laut Bericht zu

In dem Konflikt in Kolumbien setzten bewaffnete Gruppen laut "Human Rights Watch" bei der Rekrutierung von Kindersoldaten auf soziale Medien. Sie profitierten von Armut und sozialer Ausgrenzung.

Frankfurt a.M., Washington - Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) hat sich besorgt über die Anwerbung von Kindersoldaten in Kolumbien gezeigt. Die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen habe zugenommen, während die Regierung es versäumt habe, eine angemessene Antwort darauf zu finden, teilte HRW am Montag in Washington mit. In einem 102-seitigen Bericht warnen die Menschenrechtler auch vor dem Einsatz von sozialen Medien für die Rekrutierung.

Bewaffnete Gruppen in Kolumbien rekrutierten in Kolumbien Kinder, ohne dafür bestraft zu werden, kritisierte die HRW-Amerika-Direktorin Juanita Goebertus. Schutzsysteme versagten und soziale Medien würden vermehrt zu einem effektiveren Mittel der Anwerbung.

Macht und Prestige

Laut dem HRW-Bericht wurden seit 2021 mindestens 1.500 Kinder rekrutiert. Die verfügbaren offiziellen Daten zeigten einen starken Anstieg seit 2023, hieß es. Für den Großteil der Rekrutierungen seien Splittergruppen der aufgelösten Farc-Guerilla verantwortlich. Zivilgesellschaftliche Gruppen gehen von deutlich mehr Rekrutierungen aus. Die offiziellen Zahlen liegen tiefer, weil die Verifizierung umständlich ist.

Die bewaffneten Gruppen profitieren HRW zufolge von Armut, sozialer Ausgrenzung sowie Hürden beim Zugang zum Bildungswesen. Außerdem versprächen sie Macht, Geld und Prestige. Über die Plattformen sozialer Medien werde das Leben in bewaffneten Gruppen verherrlicht.

Gewalt nimmt zu

In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren Krieg zwischen dem Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen mit bislang etwa 300.000 Toten und über sieben Millionen Vertriebenen. Nachdem sich die Lage rund um das 2016 mit der Farc-Guerilla abgeschlossene Friedensabkommen für einige Zeit verbessert hatte, nimmt die Gewalt nun wieder massiv zu. Für den Bericht hat HRW nach eigenen Angaben 184 Interviews geführt, unter anderem mit Regierungsvertretern, Mitarbeitenden von Menschenrechtsorganisationen sowie Vertretern indigener Gemeinschaften.

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