Berlin, Cox's Bazar - Für die aus Myanmar geflohenen Rohingya wird die Lage im Exil laut Save the Children zunehmend dramatisch. Mehr als einem Drittel der Geflüchteten in Bangladesch drohe akuter Hunger, erklärte die Hilfsorganisation am Dienstag zum 9. Jahrestag der großen Fluchtbewegung Ende August 2017. Damals waren rund Hunderttausende Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit vor einer großangelegten Militäroffensive ins Nachbarland geflohen.
Insgesamt leben mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch unter teils erbärmlichen Bedingungen in Camps. Eine ganze Generation von Kindern sei inzwischen auf der Flucht aufgewachsen, erklärte Save the Children. Sie machten etwa die Hälfte der 1,2 Millionen Menschen in den Lagern von Cox's Bazar im Südosten Bangladeschs aus und seien besonders von Hunger bedroht. Eine schlechte Versorgungslage, die unter anderem auf Kürzungen von Hilfsgeldern zurückzuführen sei, steigere für immer mehr Kinder das Risiko von Mangelernährung.
Seit Jahrzehnten diskriminiert und verfolgt
Von September bis Dezember würden voraussichtlich 35 Prozent der Geflüchteten von akutem Hunger betroffen sein, mahnte die Hilfsorganisation. Mangelernährung bei Schwangeren und Babys erhöhe dabei das Risiko für Kindersterblichkeit oder lebenslange gesundheitliche Probleme.
Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar sehen sich die muslimischen Rohingya seit Jahrzehnten Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Die Militäroffensive 2017, die UN-Ermittler und Menschenrechtler als Völkermord einstufen, trieb mehr als 740.000 ins Nachbarland Bangladesch. Unter Vorwürfen des Völkermords an den Rohingya steht Myanmar auch vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Nach Anhörungen zu Beginn des Jahres steht ein Urteil noch aus.